Aufgewacht !

In Belgien gibt es einen Fall von einem Mann, der 22 Jahre im Koma war, so dachte man, bis die Ärzte feststellten, er sei gar nicht im Koma, sondern “nur gelähmt” - er habe alles mitgekriegt. Das klang bekannt.

Der VfL Bochum ist hoffentlich seit heute, Sonntagabend um 19.15, wieder wach und nicht mehr gelähmt, sondern nur etwas holprig. Der VfL begann wie in den letzten 3-4 Jahren auswärts in der Bundesliga sehr abwartend und passiv. Hinten zwar organisiert, die Ballkontrolle nach vorne raus fehlte ebenso wie der Spielwitz  und das schnelle Umschalten, weil Sestak, Aza und Dabor hinter Epalle im Mittelfeld begannen. Das war nicht nur durch die Ausfälle von Dedic und Klimo zu verstehen, sondern da sollte das gefährliche HSV-Mittelfeld um Jansen, Trocho und Jarolim neutralisert werden.

Der HSV ebenfalls durch Niederlagen und 8 Leute auf der Ausfalliste geschwächt, begann leicht dominierend im Mittelfeld aber ganz vorne vorne ohne zündende Ideen. Die Hamburger besassen den Ball öfter und spielten gegen die kämpfende, verschiebende und verteidigende Bochumer Truppe etwas ungeschickt, Chancen wurden vertan oder von Heerwagen vereitelt. Die Defens hatte immer einen Körperteil, der klärte. Das 1-0 fiel trotzdem per Kopf, aber ein Hamburger schob Heerwagen und der Schiri entschied im Zweifel im Fünfer für den Torwart. Das 0-0 zur Pause und die Verletzungen von Epalle und Aza ließen Jungspunde Prokoph und Grote kommen - und der Geist von Dedic und Yahia trieb den VfL voran. Zumindest waren Maltritz - der beste Bochumer heuer - und Mavraj (für den algerischen Held Yahia), Pferzel und der sich steigernde Fuchs - immer einen Schritt schneller als die Alsteryoungster, die Petric, Guerrero und Ze Roberto sowie Berg und Benjamin nicht vergessen machen konnte. Man konnte erahnen, jetzt gut vorgetragene Konterversuche und die Zuschauer würden pfeiffen.

Irgendwann in der 76. Minute ein langer Pass auf Stani, dann rutschte Mathijsen dumm aus, Sestak gab von links herein und der herbeieilende Grote lies Rost keine Chance, 0-1. Bochum wurde scheinbar noch vielbeiniger und die Hanseaten fanden kein Mittel, um den etwas glücklichen Sieg zu verhindern.

Es stellte sich in/um Bochum unfassbare Erleichterung ein, Drohnie kriegte das Fuchstrikot von Enrst und Robin die Fischfrikadelle, der VfL die drei Punkte und Bruno-Arsch-raus-Labbadia mäkelte über den Schiri, den - ihr ahnt es schon - die Schuld trifft, weil Bochum “ja ständig von Schiris auf Händen getragen wird”. Egal, so ging es uns vor 2 Wochen auch, bei der unverdienten Freiburg-Schruppe, genützt hat es uns nicht “recht zu haben”.

Am Freitag wird der ruhige und besonnene Herr Soldo sehen, ob sich die Disko-Wodka-Slowenen für ihn ins Zeug legen, oder, das kennen wir in Bochum gut, nur das machen, was man so macht, wenn der liebe Gott einem nix mitgibt, ausser der Kunst, ein wenig pölen zu können.

Und, falls der Kroate über sein Team (ohne Poldi!) stolpern sollte, haben wir für die 10.000 mitgereisten Fans einen Insidertip: Es gibt da einen Schweizer-Trainer und einen Typen aus dem Pott, die suchen noch eine neue Anstellung, also, wenn ihr unaufgeregte Konzepttrainer oder Motivatoren sucht, da jibbet wat.

Herrlich wirkte bei den Interviews wie ein verträumter Intellektueller, er gratulierte seinem Kapitain, seinen Spielern, die zumindest seit gestern wieder ein Team sind, mit immer noch Kopfball-Defiziten, aber wieder mit etwas mehr Mut, Kampf und Courage, eben angekommen im Abstiegskampf, den man, wie Hertha zu verpassen schien.

Das macht mich sehr froh.

Tom, CB’93, Sektion Rheinland’04

 

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