unseriöse Frühlingsgefühle

Es stand im kalten, grauen November (mal wieder) schlecht um den VfL Bochum. Kurz vor dem Abstiegskampf Richtung Liga Drei (!), taumelnd wie ein angeschlagener Boxer, also wie Rostock im Vorjahr, in einem fast leeren Stadion mit Agonie, Wut, Zynismnus und Selbstzweifeln der Zuschauer muss ein VfL-Fan mit gutem Draht nach oben überzeugend gebetet haben. “Bitte lieber Gott”, so könnte es gelautet haben, “laß uns bis Ostern auferstehen wie Deinen Sohn”. Schweigen in der Kirche. Dann vielleicht ein Licht - und Bochum verlor 15 Spiele nicht mehr. Als der Bochum-Fan wirklich an das Wunder glaubte, ging Funkels Team etwas die Puste aus und man erzielte in drei Spielen kein Tor mehr, holte nur einen Punkt, kassierte fünf Gegentore. Hatte Gott ihn, den fan,  verlassen? War alles nur eine Einbildung gewesen? Hatte Nietsche Recht, als er sagte, Gott sei tot?

Wieder Wut, Traurigkeit und Zorn. Gründonnerstag im katholischen Ostwestfalen sah es abends wieder sehr schlecht aus, so als ob Karfreitung zwar Kreuzigung wäre, aber So keine Auferstehung. Die Fans der Senffarbenen in der Energie-Team-Arena mutierten zu Wutfans, sie konnten einfach nicht schweigend gehen, was manchmal ja das Beste ist. Der arme Fan muss wohl wieder in eine Kirche gegangen sein. Er erinnerte in einem stillen Gebet an seinen Wunsch und dass selbst Gott, diese Elf nicht in die erste Liga bringt, wurde immer klarer. So musste er andere Unwissende schwächen, um sein treues Schäfchen zu erfreuen. Erst erwischte es Aue mit Höllenfeuerwerk aus Schwefel und Phosphor, dann donnerte es über München und der Mavraj patzte. Platz Drei konnte man so (vorerst) festigen, aber man hat doch in der Relegation nur 5-8 % Mini-Chance. Es muss also ein unvorbereiteter Bundesligist geschwächt werden?!!  Koller war eine Wahl, aber in Köln war der schon und Pauli musste nicht noch extra geschwächt werden, so fies kann auch kein strafender Gott sein. Da kam “das Licht” auf die Idee, Finke, den Sperminator von Freiburg, sich wieder auf die Trainerbank in Köln (wo er laut Aussage nie hin wollte) setzen zu lassen, damit der erfolgreiche - und bibelfeste Schäfer einer Herde/Horde nicht mehr seine frohe Botschaft verkünden könne. Nur das war immer noch keine Lösung, weil Bochum immer noch zu schwach war für Liga Eins! Eine Wunderheilung von Tese und Aza? Eine Sinnflut? Eine Plage aus Heuschrecken?

“Nein”, sprach das Licht zornig, “ihr müßt gegen Union auch ein Tor schießen und euch zusammenreißen!”. Das hat gesessen. Alle erschraken sehr, vor allem Dedic.

Das böse Wort “Tor” war gefallen und unser Gender-Mainstreaming Beauftragter, äh Manager, Herr Thomas Ernst, erschrak auch furchtbar. Hatte man beim FSV Frankfurt noch einmal durch Aza getroffen, stümperten Vogt, Jo und Dabro sowie Dedic und Saglik drei Spiele so rum, dass die wieder ein wenig mutigen Bochum-Fans erneut hysterisch Angst bekamen und in vielen Sprachen fluchten. Wutfans eben.

Freitag zum Auftakt des wunderschönene Bochumer Maiabendfestes kommt Union Berlin ins Stadion - und ein frühes VfL-Tor wäre Gold wert. Da können Aza, Tese, Concha, Fabian sowie Dabro (10. Gelbe) nicht helfen, wohl aber Freier, Saglik, Aydin, Ostro und Korkmaz. Gegen die Eisernen muss neben das Wollen das Können des überraschenden Momentes treten. Der Glaube kann zwar Berge versetzen, es muss aber auch “das Glück erzwungen werden”. Kämpfen Bochum, Kämpfen? Phrasomat?

Weder Gott noch der künftige König von England (Charles oder William?) werden dem VfL am Freitag helfen können. Nur der VfL kann es allein schaffen. Ein wenig die Fans, die zu schnell zu “Wutfans” werden und “Alles schnelll schwarzmalen”. Tese hat es mal “Strenge der Fans”genannt, doch das hilft in dieser Situation nicht, da hilft nur LIEBE, ganz viel. Also, damit meine ich nicht die körperliche Liebe, ihr Ferkel….

Die Elf der Köpenicker vom Wochenende beim 1-1 Heimspieltteilerfolg gegen Ingolstadt:

Glinker           — Menz - Göhlert - Madouni - Kohlmann                – Quiring    — Peitz - Mattuschka — Ede                         — Benyamina - Savran.

So sicherten sich die Schlosserjungs von der Wuhlheide am viertletzten Spieltag die Klasse, während Hertha seit Ostermontag wieder Erstligist der Hauptstadt ist. Die Jungs aus dem Osten, deren pathetische Hymne Nina Hagen singt, liegen dem VfL eigentlich. Man findet sich ok, trotz Erlemann.

Im Hinspiel siegte man 0-1 und Concha zahlte bitter mit dem frühen Saisonaus durch ein Brutalofoul durch OLDIE Younga M.   2003 hingegen machte Unioner Vidolov viele Bochumer glücklich und auch sonst sind die Ossis dem VfL eher sympathisch, nur Uwe Neuhaus (WAT; RWE) hatte im Hinspiel durch seine harte Gangart für Irritationen gesorgt, wie Lasogga mag er den VfL wohl weniger.

Bochum braucht Freitag keine Gebete, sondern ein entschlossenes, einfaches Fußballspielen ohne viele Fehlpässe gegen die Unioner. Pressing, Zweikampfhärte (!), kontrollierter Spielaufbau und die Geduld der Fans wird es (er) brauchen, damit der VfL Fürth Angst macht, “wie immer Fünfter zu werden (Sportschau vom Sa)”. Mit einem Sieg ist man erst mal fünf Punkte vorne und das wurde Buyo schocken, wie gestern Rooney und Giggs die anderen Schalker schockten.

Nein, der VfL Bochum muss die nächsten drei Spiele ruhig zu Ende spielen, Berlin und Duisburg haben eh “nur noch Freundschaftsspiele”, da wird eher OSNA der Knackpunkt oder die eigene Kopfverarbeitung von drei Spielen ohne Tor. In Ingolstadt war es eine Kopffrage und in Paderborn auch eine der Qualität…

F. Funkel ist Profi genug, seinen Jungs Gelassenheit vorzuleben - und Ernst ist sicher nicht der “charming” Finke von Bochum.

Packen wir es gemeinsam an, auch Augsburg ist nicht durch und Bangemachen oder Meckern gilt (vorerst) nicht, das kann man auch trefflich hinterher (in Juni) machen.

 

“…sind wir alle Bochumer Jungen, Junge da kannst dich drauf verlotten, lotten, lotten lotten…!”

 

Tom, CB’93

 

 

 

 

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