Babyadlerfront in Aspik

Als 1988 ein paar Bochumer auf dem Westberliner Kuhdamm standen und auf das große Finale warteten, merkten sie nicht, dass um sie herum die Jungs von der Adlerfront standen und grinsten. Heute sind sie - genau wie Presswerk RÜsselsheim (”Presswerker sein!”) - um die Fünfzig, und nicht alle werden Freitagabend um 18.00 in Bochum sein können und wollen. Wie die Sturmtruppen, die Bo-City, die alte Borussenfront, die Gelsenszene und die Herthafrösche sind diese legendären, bundesweit renommierte Gruppen leicht in die Jahre gekommen und trotzdem ihren alten Ideen treu geblieben. Alte Freunde ja, aber die junge Kurve wird längst von der dritten Generation Ultragruppen dominiert und das ist gerade in Frankfurt am Main ein Gesetz. Das früher eher langweilige Frankfurt mit dem Waldstadion, auch als Stadt ambivalent - hessisches Dorf und Mainhattan - wurde in den Neunzigern zusammen mit dem HSV zur Stimmungsmacht in der Bundesliga. Diese Fanmassen wurden auch als zündend und gewaltbereit wahrgenommen. Noch beim Abstieg stürmten Vermummte den Rasen der neuen Commerzbankarena. Sie, die Ultras,  lösten die Hooligans und Fußballfanclubs nicht wirklich ab, verdrängten sie aber in der öffentlichen Wahrnehmung der Medien, was diesen garnicht so unlieb war. Nun hatten die Bembelraver in Hessen “die Macht in der Kurve” und hassten fortan Offenbach, Kassel und Darmstadt am meisten. Wirklich? Nein, aber so das Image! Die Alten waren ja immer noch da und werden es Freitag wieder sein.

Fußballerisch stagnierte Eintracht Frankfurt unter F. Funkel und stieg letztes Jahr nach einer UEFA-Cup-Vorrunde sang- und klanglos ab. der VfL Bochum wurde um einen Relegationsgegner gebracht, gegen den die Chancen größer gewesen wären als gegen die unter Favre aufstrebenden Gladbacher. Funkel hatte auf diese schwarz-rote Fraktion gehofft, doch es sollte nicht sein. Nichtaufstieg. Letztendlich kostete auch das ihm irgendwann den Job. KISMET.

Der sympatisch, erdige Bergamnn verzeichnete mit dem 3-5 in Ingoldstadt die Stimmungstrendwende in der Unistadt Bochum, mit zwei Siegen in Folge (MSV, die Adlerfreunde wurden 2-1 besiegt!) wird es am Freitagabend wieder voller werden im alten Schmuckkästchen Ruhrstadion, wo ja seit 100 Jahren gepölt wird auf der Wiese.

Um 18.00 wird die Gästekurve der Adlerträger voll, schwarz-rot und verraucht sein - doch auch Bochums Ostkurve wird wie gegen St. Pauli mit einem positiven Fußballfanatismus beseelt sein: Fülle, Schweiß, Fiege, Bratwurst, die Schals in der Hand werden wir die Aufstellung bölken in die ungemütliche Herbstnacht.

Fußballerisch hat Bochum sicher nur eine Chance, wenn die Wackelabwehr um Aquistapace stabilisiert werden kann: Das 1-3 in Paderborn hatte Slapstickzüge. Die Flügel der Viererkette sind arg gestutzt. Hier werden F. Gekas (Schalkebesiegerhero!) und M. Idrissou sicher ihre Chance haben, wenn nicht Dabro, Maltritz und vielleicht auch Sinkewitz, Koplin, Ostro und Luthe Sicherheit geben können. Nach vorne hat Bergmann mit Inui, Aza, Freier, Tese, Aydin, Kramer, Berger und Ginzczek sicher Trümpfe - und Vogt kommt mit Selbstvertrauen vom deutschen Mini-Adlerteam wieder.

Da haben die Fans beider Lager sicher am WE perfekt-, effektiven Fußball der Deutschen ELF (Türkeri/Belgien) gesehen, der die Elite von FC Barcelona herausfordern wird 2012. Sowas werden die Hessen und Westfalen nicht erwarten am Freitag in LIGA ZWO, doch einen Sieg der Frankfurter würde die Süddeutschen kurz auf Platz Eins katapultieren, wo sie trotz leichter Anlaufschwierigkeiten hinwollen. Wie Hertha im letzten Jahr, sind die Bankenstädter zum Aufstieg verdammt. Bochum hat das inzwischen fast abgehakt, Todt bleibt der Realist.

Siegte der VfL, würde man die drei Sieg in Serie als Aufholjagd verkaufen, da man nun die “nur” 15 Punkte zurückholen wollte, weil man sie diesmal mit Funkels Nichtfußball verschwendet hatte. Noch eine Aufholjagd wie im letzten Jahr, diesmal mit Bergmann?

Gemach, gemach, wenn die Abwehr sich stabilisieren kann, wenn die Offensive “sich selbst kitzelt” (erotische Konnotation) , werden wir übermorgen ein gutklassiges Match sehen. Aber zweite Liga ist halt generell kein Champions League. Eine Garantie für einen Sieg hat keiner der Kontrahenten, Frankfurt ist leichter Favorit als Gast.

Mit einem Satz aus dem guten alten Fantreff möchte ich schließen: “Gab der hessische Sahnmob nach der Klatsche ordentlich Fersengeld, weil Althauer aus BO massig ALK vernichtet hatten und die Lutscher ordentlich aufklatschten! Ein gelungener Tag mit viel Spaß! Die Baseler Affen waren wieder nicht. Grüße an die Kollegen aus Braunschweig und Alk OI!”

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Tom, Fantrefffan CB’93 seit 1985

P.S.: der Tip: 2-2

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