Der Messiaseffekt

Was man in den letzten 10 Tagen rund ums Stadioncenter beobachten konnte, stellte im beschaulichen Bochum, 2011-2012 zwangssediert, ein Novum dar: Ein Verein, der nach dem Aueschock mausetot war, wurde von Peter Neururer wachgeküsst, unabhängig davon, wie es am Ende ausgeht….oder um ehrlicher zu sein, abhängig genau davon.

Die Karten des VfL für Heimspiele waren 2012 sowas wie die Bonuspunkte bei REWE an der Kasse. Niemand will sie, sie wurden einem immer so in die Hand gedrückt, oft blieben sie achtlos liegen oder wurden lieblos in die Tüte gesteckt. Nun gehen die Karten für Fr gegen St. Pauli um 18.00 Uhr weg wie warme Semmel. 20.000 schon, es könnte richtig voll werden. Das wird eine tolle Atmo: viertausend Hamburger und 25.000 Bochumer werden sicher die Kuh fliegen lassen und einige kommen nur wegen ihm.

Gegen Köln wird’s sicherlich ganz ausverkauft sein und auch der Berliner Underdog Union Berlin scheint kein Kassengift zu sein. Nach Sandhausen fahren 15 Busse, es tut sich was in Peterland. Der Messias ist wieder in seinem Revier. Die erste Siegsituation am Sonntag hat dem Umfeld den Glauben gegeben, er machts wieder.

Die Euphorie um den komischen Schnauzbartträger macht fast schon Angst. Hinterher glauben die Leute wirklich, er hätte magische Kräfte. Dabei hat er doch in 10 Tagen nur an ein paar Stellschrauben gedreht, wie er selbst sagt.

Was hat er wirklich gemacht: er hat den Leuten erst mal den Glauben an sich selbst zurückgeben können, weil sie dies auch einfach wollten. Er kennt die Medien und deren Vertreter, gibt ihnen Futter, gibt ihnen Stories und sie umschwirren ihn, wie die Fliegen die Fäzes. Aber da ist Kalkulation dabei, auch Selbstdarstellung, so den Klopp, den Daum, den Pedda, DEN macht man nie ohne Egomanie. Intellektuelle, Mahner, sachliche Arbeiter und andere Egomanen hassen sowas, darum ist Peter so umstritten.

Dann hat Peter was getan, was fast jeder Trainer macht: die Situation gesichtet, Diagramme zeichnen lassen, Gespräche geführt, 4-5 Leute aus dem Team geschmissen (Ortega, Iashvili, Bertram, Gela, ….), ein paar neue gebracht und glücklich gewonnen.

Ein wenig zurückgenommen hat er sich, auf der PK den Kollegen Frontzek und sein System gelobt, Fehler angesprochen und Luft nach oben angemahnt. Nix wirklich Spektakuläres, da wäre sogar ein Trainernovize drauf gekommen. Trotzdem sorgt der Schnauzbart für einen Medienhype, den sonst nur die großen der Branche haben. Das ist Marketing und der Rest des Vereins wirkt wie Beiwerk. Diesen Peter wird der VfL nicht mehr los.

Freitag wird von uns das erste Heimspiel mit Peter seit 2005 und es muss gewonnen werden, denn wir sind immer noch in “höchster Abstiegsgefahr”  (Jogislang). Gewännen wir Bochumer am Freitag und Hertha macht gegen Sandhausen den Aufstieg klar, summierte sich der Abstand auf 9 Punkte, dann ginge nur noch die Religation.

Aber auch die will Neururer vermeiden und daran arbeitet der Trommler fleißig: Im Tor wird Luthe stehen, der in Cottbus einer der Matchwinner war, nachdem er gegen Aue zum Buhmann mutierte: der Messiaseffekt. Maltritz ist Peters Abwehrchef, Acquistapace soll die Schnellen nehmen wie Ginzcek von Pauli. Freier, der Fehlpassgott ist aber außen besser als Rothenbach, Lumb ist eh unumstritten. Davor Kramer und Goretzka auf der Doppelsechs, Ratsche gegen seine neuen Kollegen, Tasaka, der beste Fußballer hinter Aydin und Dedic. Die werden am Freitag für Strohfeuer sorgen…und dann kocht der Pott über. Wir werden eine Stimmung erleben, das wird ganz sicher rocken.

Ob wir Bochumer gegen die kompakten, bereits geretteten Hamburger [Tschauner - Schachten, Thorandt, Avevor, Kalla - Bartels, Kringe, Daube (Boll), Funk, Thy (Bruns) - Ginczek] unsere spielerischen Defizite mit Lauf- und Kampfbereitschaft überdecken können, daran habe ich FREITAG mal keine Zweifel. Ich habe eher Angst, dass die Blau-Weißen Übermorgen überdrehen und St. Pauli cool kontert und wir das Schiff am Ende nicht versenken. Aber auch mich hat der Petereffekt erfasst. Ich glaube an ein 2-1 des St. Peter gegen St. Pauli, für Bochum (!), mit drei Stürmertoren, Aydin, Ginczek und der eingewechselte Scheidhauer, der den total platten Kurden ersetzten wird. Es wird ein denkwürdiger Abend, zwischen vollen Rängen, “You’ll never walk alone!” und Ankuft- sowie Abschied.

Wenn wir uns dann im ausverkauften Block A zujubeln, wird ein Platz freibleiben, aber Bernie, you’ll never walk alone! Du bist dabei…..ganz sicher.

Tom, CB’93

P.S.: Ich freue mich nicht nur auf das Spiel gegen den schwarzen Block mit seinen in den Sozialstunden gebastelten Che Guevara-Fahnen, sondern auch auf die Party mit Dämon, Bachi und Co.

 

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