Die Metzgerei “Zum Goldenen Nichts”

Der “VfL als Metzgerladen” hatte gestern nicht viel in der Auslage, es gab teilweise nur Knochen oder auch alte Blutwurst, ganz selten etwas Bärchensalami. Woelk würde sagen, da gibbet zu wenig Auswahl für Schnitzel oder Steak.
Gestern war wieder mal ein Tag zum Rekorde brechen. Also natürlich nicht auf dem Rasen an der Castroper Strasse, sondern nur der Staurekord auf NRWs-Straßen und die Fahrtzeit Köln - Bochum -mit drei Stunden - galt es zu toppen. Die Fahrt ging 16.36 am heimischen Rathenauplatz in Köln los und da auf der angrenzenden Inneren Kanalstraße nix mehr ging, fuhr man die ebenfalls volle Aachener Straße hoch, ehe man um 17.45 Uhr (!) am Mekkes am Rheinenergiestadion eine Pinkel- und Burgerpause machte. Für 10 km 1,25 Stunden.
Nein, der Stau vor der Leverkusener Brücke war Pflicht und so war man im Regen und Sturm zum Anpfiff in Remscheid auf der A 43, da wo sich einst 1991 Maurice Banach tragisch zerlegte.
Wir kamen zwar sicher am Stadion an (nach 2h 45 Minuten!!!), aber eben erst zur 37. Minute und verpassten die bewegende Schweigeminute für Klaus Hilpert, Bochums Ex-Manager - und fast die gesamte erste Halbzeit, dafür war’s wieder trocken im Rund. Da hatte Pohl auf Ruhrwelle schon die vergebene 100%tige Chance vom Mein VfL-Titelhelden Piotr Cwielong wortreich beschrieben, als ein Ilsöpass von Sukuta-Pasu knapp verpasst wurde und eben dieser Cwielong nur das rote Verteidigerbein traf. Mist.
Die 12.400 Zuschauer im halbleeren Rund waren zwar nicht megaeuphorisch, aber zu diesem Zeitpunkt noch relativ guter Dinge (gemessen am Pessimismus unter der Woche). Die Wurst in der Halbzeit schien mal wieder Siegeswurst werden zu können. Hier hat der Metzgerladen noch was zu bieten, wenn nur noch ‘ne Lieferung Fleisch eintreffen würde.

Die roten Frankfurter (Würste!) hatten zwar auch ihre Chancen im Ruhrstadion, aber der VfL lief ja mit 5 gelernten Innenverteidigern auf - und das Fehlen von Freier und Tasaka wurde z.T. kompensiert zu diesem Zeitpunkt, auch wenn VfL-Aktionen überschaubar waren. Luthe musste einmal vor Rukavytsya retten und die FSV-Spieler waren immer dann gefährlich, wenn das Mittelfeld der Möhlmanntruppe schnell überwunden wurde. Davor wird auch Neururer gewarnt haben, vorne lauerten Kapllani und Görlitz.

Unser Cheftheoretiker Benny P. hatte sogar in unserem CB-Whatsapp ein positives Zwischenfazit gezogen, das Duell Netto gegen Sparhandy stellte zum Auftakt des Zweitligajahres eine gute grobe Leberwurst da, etwas angeranzt aber die Taktik des Bochumer Trainers.
Aber das 0-0 hielt zur zum Currywurstbreak, der für mich nach 10 Minuten kam, man sagte mir aber, ich hätte nicht viel verpasst. Bochum bewegte sich ohne Ball wohl zu wenig.

Ich hatte nun 350 Minuten ohne Bochumtor gesehen und man soll die Hoffnung nicht aufgeben, aber Euphorie sieht anders aus und Hochstädters Verzicht auf Neuzugänge im Sturm hat die Leute auch nicht neugierig gemacht, obschon ein paar Schüler ins Stadion gelockt wurden mit Gratisleckerlis.

Auch in der zweiten Halbzeit hatten die Hessen mehr Ballbesitz, mehr Zweikampfstärke und schnelle Pässe in die Spitze, während Bochums Spieler vielleicht nicht der Willen, aber die Überzeugung zu Hause siegen zu können, fehlte und viele Bälle im Aufbauspiel verloren wurden.

Man muss sich hier auch fragen, wie ein Verein, der mickrige 70-80 Gästefans wie der SV Sandhausen mitbringt und keine dicke Kohle vom Sponsor kriegt; von 2008 an einen damals Erstligaclub wie Bochum mittlerweile einfach beim Spielerkader überholt hat und offensichtlich auch die höhere Laufbereitschaft und Leidenschaft zeigt.

Das 0-1 für die Gäste durch Rukavytsya war typisch: Maltritz versucht einen Konter einzuleiten, der Ball kommt nicht an, Cwielong macht einen schlimmen Fehlpass, Denis Epstein (neben dessen Papa ich in Poll mal ohne Witz wohnte) gab rein, Leckie verwirrte die Blauen mit einer Drehung und Ruka drosch aufs Tor, Kapallani fälschte den Ball noch doof für Luthe ab.Verdiente Frankfurter Führung.

Neururer brachte, als die ersten Pfiffe aufbrandeten beim bis dato sehr geduldigen Publikum, Aydin für Sinke und Islö plus Gayamerah und der Coach beendete damit seine Maurerstrategie.

Sie war bis dato das taktische Mittel gegen die Überfallkonter der Bornheimer gewesen, aber das war nun Essig. Rohes Fleisch hatte Aydin nicht gegessen, aber bei seinem Kopfball zum 1-1 in der 66. Minute hatte er die nötige Wut im Bauch nach einer Ecke. Jubel, Erleichterung, selbst bei Vegetarianern, die strenge Tordiät des VfL schien vorbei. Herr Metzger, ich nehm 100 g Cervelatwurst….

Es keimte ein wenig Hoffnung auf, dass es so laufen könne wie gegen Paderborn, aus einem 0-2 wurde da auch durch einen Treffer des Kurden die Wende zum 4-2 eingeleitet.

Doch wieder wurden die 12.500 treuen VfL’ler enttäuscht als der frisch eingewechselte Deutsch-amerikaner Wooten (für Kapllani) traf, der VfL wurde durch einen schnellen Konter durch einen Fehler vom heute glücklosen Latza eingeleitet und auch Ejolfsson hatte man generell einen gebrauchten Tag angedreht, das Tor war der Genickbruch.

Hätte man nach dem 1-1 die Euphorie nutzen können, dann wäre sogar extra ein 2-1 möglich gewesen, noch 100 g Pfeffersalami wären drin gewesen. So wurde man nach einer eigenen Ecke ausgekontert und hatte nur 3 Minuten das 1-1 gehalten.

Frankfurt hatte mit Möhlmann und ein klugen Einkauftspolitik den VfL überholt, wo ein Buchhalter namens Schwenken die VIP-Loge an die Firmen bringt, aber kein Geld lockergmacht kriegt, um dringend notwenige Verstärkungen zu holen.

So tot wie die Bochumer am Ende waren, hätte nicht mal Zlatan oder Ronaldo helfen können, diesem verunsicherten Haufen zu helfen.

Pfiffe von der Ost waren nicht so schlimm wie die Bitternis und Lethargie, die sich in Bochum breit macht, weil wir als Verein im Allerwertesten sind.

Als Metzgerei hätten wir am Samstagmorgen nichts mehr in der Auslage und Günna P. würde erkären, die Zündeleien vor der Tür hätten dem tapferen Metzger den Garaus gemacht.

Was ne Wurst….

Tom; CB’93

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