Wie voll ist das blau-weiße Glas?

Nach dem 0-0 des VfL Bochum gegen Fortuna Düsseldorf vor 24.000 Zuschauern an einem wunderschönen Sonntagnachmittag im Ruhrstadion, fragte sich mancher der abwandernden Zuschauer sicher, ob er/sie nun zufrieden sein sollte, mit dem Spiel und dem Resultat des Westduells kleines Westfalen gegen mittleres Rheinland.
Bochum ist die statistisch schlechteste Heimmannschaft der zweiten Liga und zeigte nach meinem Dafürhalten heute eine akzeptable, kämpferische Leistung, die auch mit einem Arbeitssieg hätte belohnt werden können, wenn man mit den schwachen Heimspielen gegen Union und FSV den Vergleich sucht. Spielerisch und in Punkte Laufwege, Pässe und Standards hat Bochum ebenso Luft nach oben wie im Angriff. Unter dem Strich ein Punkt gegen den Abstieg.
Vor dem Spiel hatten Potofski, Neururer und Köstner einen Plausch über ihre Erfahrung, über Konzepttrainer, alte Zeiten und Skatkloppen an der SpoHo.
Das Spiel begann um 13.30 Uhr dann - wie erwartet taktisch durch Absicherung nach hinten in weiß und rot geprägt-, die Choreo der Bochumfans und die Pyroshow der Düsseldorfer Awaysuppporter sollte zunächst die einzige Show sein vor ansprechender Kulisse mit bunten Bildern im Kopf.
Zwar hatte Sukuta-Pasu eine erste Riesenchance, als er Giefer überlupfen wollte, doch es waren die Arme des Baldschalkers, die das 1-0 verhinderten.
Düsseldorf hat mit dem neuen F95-Duo Schulte/Köstner auf akut sachlichen Stil gesetzt, d.h. auf dem Rasen machte F95 mit Pressing dem VfL das Leben schwer, denn Bochums zentrales Mittelfeld wirkte anfangs verwaist, Bochum wirkte insgesamt bis Mitte der 1. Halbzeit total zugestellt, obwohl Tasaka zwei Chancen hatte (später noch mal zwei), die Giefer einmal gut und einmal mit Glück vereitelte. Seine lange Arme waren heute überall, mindestens naiv geschlagene 10 Bälle lupfte er ohne Probleme aus der Luft. Wer lässt diese Ecken üben?
In der Folgezeit hatte Bochum mehr Ballbesitz, versuchte sich nach vorne, doch Latza, Jungwirth und Tasaka hatten geniale Momente, aber auch Schrottmomente vor dem Pausenpfiff durch den schlechten Schiri Aytekin.
Maltritz war bis dato bester Bochumer, weil er hinter souverän stand, während Fabian und vor allem der Isländer Sicherheit suchten.
Bieder war’s insgesamt, bemüht oft, sicher nach hinten, aber Bochum war nicht in der Lage Aydin oder Sukuta-Pasu (später Kreyer) so einzusetzen, dass sie einnetzen konnten.
Ein Ball rettete Weber auf der Linie, das war’s: 0-0 zur Pause. Verdient.

Düsseldorf hatte so viele Fans ins Ruhrstadion mitgebracht, aber das dritte Remis unter Köstner in Folge ließ beim Rot-Weißen Anhang auch ein wenig Ernüchterung einkehren, ob ihres Mittelklasse Teams. Allerdings haben sie auch nicht verloren. Wenn, hätte Bochum das 1-0 verdient gehabt, weil die Landeshauptstädter mit Benschop und Lambertz so gut wie garnicht stattfanden nach vorne. Aber dem VfL fehlten die hundertprozentigen Chancen auch, er hatte kleinere.
Laufbereitschaft, Kampf und Einsatz der Teams waren total okay, aber das Überraschende, das Durchdachte und vor allem das Kreative fehlte halt. Wenn der Isländer am Anfang den Ball verlor, gab’s oft von F95 den Ball sofort retour zurück, beide Teams technisch limitiert und mit grotesquen Querschlägern in der Anfangsphase. Niemand wollte verlieren.
Im Laufe der 2. Halbzeit drehten Bastians, Tiffert und Tasaka auf, doch nun waren die Stürmer müde gelaufen, so dass Bochum zwar optisch immer stärker wurde, ohne echt im Sturmzentrum zu überzeugen.
Das fand ich insgesamt die stärkste Phase der weißen Bochumer (Auswärtstrikots), die Angriffe rollten Richtung Levels, Bodzek, Latzka und Co, von den Düsseldorfern kam fast nix mehr. Benschop hätte sich auswechseln lassen können, so fruchtlos war das rote Offensivspiel, der Ex-Bochumer Schmidtgal konnte sich auch körperlich nicht durchsetzen.
Bochums Angriffe Richtung Ost wurden von blau-weißer Anfeuerung begleitet, doch es fehlte, wie Neururer später zurecht anmerkte, die Präszision im Abschluß, die Torgeilheit.
Wenn der Trainer Kreyer, Zahirovic und Aquistapace bringt, sitzt kein Joker mehr auf der Bank, Höchststrafe für Cwielong und Bulut. Zahirovic wirkte wie ein Fremdkörper.
Luthe spielte heute wie Maltritz fehlerlos und auch Bastians hatte gute Szenen wie auch Tasaka oder Latza, doch keiner hatte DIE zündende Idee vorne und so hieß es nach 90 Minuten leider nur 0-0.
Woran lag’s? Sicher nicht am schlechten Schiri, eher an der Harmlosigkeit der Stürmer, schlechten Laufwegen und teilweise fehlender Technik, dazu einem taktischen Korsett, was das Verlieren auschließen will, aber nicht das Gewinnen sucht. Die Standards wurden nicht genutzt und wer pro Spiel ein oder kein Tor schießt, gewinnt halt selten. So wars auch heute.
Insofern müssen beide Teams mit dem Punkt zufrieden sein, nicht aber mit dem Sparfußball, den die Traditionsvereine ihren Fans boten.
Schwamm drüber, in Finkes Paderborn mit einer guten Defensivleistung zu Karneval punkten, denn, solange Cottbus, Bielefeld und Dresden verlieren, nützen uns - und der Fortuna - solche Remis. So mager das auch anzuschauen ist.
Für mich war das Glas heute halbvoll…..fünf Punkte zum Relegationsplatz.

Tom,CB’93

P.S.: Gruss an Tim wegen des netten Gesprächs im 1848

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