Neuenburg ob der Tüne statt Bregenwurst

Teil 1

Der feine Herr Trebbe wurde am Wochenende als edler Junggeselle entführt ins altenglische Königreich, Northumbria, genauer: Newcastle. Dazu wurde eine DFDS-Fähre bemüht und die Billigfluglinie EasyJet, um 12 Bochumer Gestalten über Amsterdam nach Newcastle upon Thyne (Toy Dolls und Venomheimat) zu befördern. Man kam Freitag (Raffa und ich) bzw Samstagmorgen an (die anderen zehn Wilden mit dem Bräutigam) und das neue Hotel (mit dem famosen Shark Bar Club) war direkt am prächtigen Stadion am St. James Park. Man konnte direkt in Chinatown daneben was essen oder um die Ecke in einen ranzigen Pub, einen frittierten Imbiß oder eine andere nicht-verrauchte Spelunke gehen: Exellent. Der Freitagabend war gerettet…
Samstagmittag waren nicht alle gleich fit, aber das englische Wetter hatte extra auf Sonne gestellt bei meinem ersten Premiereleaguespiel: Newcastle gegen den Londoner Aufsteiger Crystal Palace. Diese hatten in der letzten Minuten im Playoff ihren Aufstieg klargemacht und führten vor 50.000 Zuschauern schnell 0-1 in Ostengland. Das war’s dann auch mit der Cockneyherrlichkeit, keine Offensive der Rot-Blauen, nun hatte schwarz-weiß öfter den Ball. Aber Newcastles Lockenkopf aus Südamerika hinten stand zwar sicher, aber nach vorne fiel den Erben von Alan Shearer nicht viel ein. Man machte Druck, aber der echte Spielwitz kam nicht auf, wenn man Fans hörte, dann die 2000 Londoner, die vormals punktlos, plötzlich 0-1 führten.
Doch die Magpies schlugen zurück und machten in der 37. Minute das hochverdiente 1-1. Crystal Palace hatte nix mehr nach vorne getan und beim Pausentee konnte man im Innenraum (und nur da) alkoholreduziertes Bier trinken. Die Stimmung im St. James Park wurde nicht besser, aber die Mannen auch Newcastle hatten zumindest mehr Esprit mitgebracht, lagen aber alsbald wieder 1-2 zurück. Nun wurde flotter kombiniert und das 2-2 fiel nach 73. Minuten und war mehr als verdient. Die Gäste konterten nadelstichartig, aber nun fiel das 3-2 für die Heimmanschaft, die nun ihren ersten Heimsieg wollte, wie demnächst unser VfL gegen den KSC.
Das 4-2 fiel nicht - und es gab 7 (!) Minuten Nachspielzeit ohne Günther Perl. In der 95. Minute ein Torpogo über uns, denn die Gäste hatten das 3-3 gemacht. Nun sprach man wieder Cockney statt Geordi. Unfassbar die Stille beim Abgang der Heimfans und es blieb insgesamt weiter ruhig im Stadion, die neoliberale Thatcher-Taylor-Politik hat in der Barklays-Premiereleague ganze Arbeit geleitet. Teuere Tickets für durchschnittlichen Sport und Fans verteilt in reinen Seaterstadien ohne Kurve, das ist leiser als man denkt. Schade, denn das Potential hat diese alte Stadt mit coolem Stadion, Erstligaflair und echtem Fußballpublikum.

Teil 2

Doch Sonntagmittag um 12.30 Uhr schaffte es unsere Shark Club Bar den VfL in Braunschweig zu streamen und guckten wir nach einer lustigen Nacht nun wieder Fußball und wir sollten einen geschickten, laufstarken und effektiven VfL an der Hamburger Straße sehen.
Vor 22.275 Fans legte der VfL in diesem “Tendenzspiel” gut los und war bei Kontern stets gefährlich (und bemüht). Die Braunschweiger in blau und gelb hatten ihre Niederlage beim FCK wohl noch in den Knochen, den Bochum deckte mit schnellen Vorstößen die Unsicherheiten der Niedersachsen in der Abwehr schonungslos auf.
Schon in der 5. Minute nutzte Terrode - der neue Masterscorer - eine Vorarbeit von Sestak zum frühen 0-1. Ob der neue Stürmer Mikael Forssell aus Helsinki den beiden Strikern noch zusätzlich Beine macht, ist Spekulation, aber Terrode macht zZ einfach alles richtig. Awesome.
Die Bochumer hatten vieles im Griff und ihr Anhang feierte schon den vermeintlichen neuen Spitzenreiter aus Westfalen. Doch Boland schlug eiskalt zurück: in der 17. Minute kam der BTSV’ler dribbelnd, mit Übersteigerandeutung, aus vollem Lauf auf Simunek zu, der beim Stellen des Gegenrs ausrutschte und der andere IV kam auch zu spät, so dass Esser alt aussah: 1-1. Und nun war der VfL geschockt, die Heimmanschaft kam nun und spielte auf 2-1: Korte, Kruppke und Nielsen vergaben gute Chancen, doch Esser konnten den verletzten Luthe an diesem Tag dann schlußendlich doch würdig vertreten und hielt das unter dem Strich verdiente 1-1 zur Pause fest. Braunschweig wird sich ärgern, da nicht das 2-1 gemacht zu haben, denn aus der Pause kam wieder ein konzentrierter VfL, der nicht nur dem Regen und Eintracht trotze, sondern auch den inneren Schweinehund überwand. 1000 Bochumer sahen einen VfL, der immer wieder versuchte, schnell nach vorne zu stoßen, der aber auch hinten gefordert wurde. Das Spiel ging in der Phase hin und her.
Die müden Helden von Newcastle saßen da und beglotzten das 1-1., diskutierten über die Neue wie Weiß (Mannschaftsspielker?), Forssell (alt aber gut) und Cacutalua von Bayer Lev, Abgang Jungwirth, doch die Elf auf dem nassen Rasen gab noch mal Gas und Terrodde machte sein 6. Tor - als Abstauber. Brilliant: In der 77. Minute kriegte Braunschweig den Ball von Simunec nicht weg, Dogan pennte und der Bocholter Killer machte das 1-2. Torjubel in Ostengland und in Braunschweig, ob’s an Hannoveraner Welfen lag - oder einfach daran, dass Terrodde einen Megalauf hat? Hat Hochstädter geil eingekauft oder Peter doch die Stimmungskanone rausgeholt? Egal wie es ist, es tut sehr gut. Bochum hielt das 1-2, auch wenn Cwielong slapstickmäßig vergab gegen Gikiewicz, es reichte zur erneuten Tabellenführung mit 8 Punkten.
Zwar sind noch etliche andere mit 8 Punkten dem VfL auf den Versen, doch an der Castroper kann man wieder mal über eine Zweiwochenfrist die Topposition genießen und schielt verträumt auf die 1. Liga, auch wenn es ein sehr wilder, vager Traum ist.
Aber, die Stunde des Sieges kommt auch für uns irgendwann, zumindest für uns in Braunschweig gab’s einen Auswärtssieg, der das Heimspiel gegen den KSC zum Spitzenspiel macht.

Wunderful….vielleicht schreibt ja bald einer ein Buch zum Aufstieg ;-) )))

Tom, CB’93

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