Am Riemen reißen

Eigentlich ein perfekter Pfingstsonntag, dieser Tag im Jahr 2015: In der Ritterburg sitzt man in der prallen Maisonne, isst Currywurstpommes, nippt an dem herben heimischen Pils, zieht an der Kippe (falls man [Party]raucht) vom Kumpel und quatscht sein übliches dummes Zeug: man lästert über Schalkes charakterloses Team; dann siegt der VfL gegen Sandhausen 1912 und lässt einen das Saisonfinale nach dem Spiel entspannt angehen. Zittern tun die andern. Okay, das war auch so. Aber der Sieg fehlte!

Nun, nach dem peinlichen 1-5 in HH wollte G. Verbeek sicher eine Reaktion sehen von seinem Team. Wir Fans wollten das auch. Gertjan hatte die Mannschaft in der Winterpause übernommen und das Potential der Spieler vor allem in den Heimspielen geweckt. Auswärts blieb der VfL die Schießbude der Liga. Dazu eckte der Trainer bei der (Springer-) Presse und manchen Spielern mit seiner schroffen, direkten Art an.

Stünde er da, wo nun Darmstadt steht am 34. Spieltag, würd’s keinen interessieren.

Heute war vor ca. 15.200 Zuschauern die Luft beim VfL schon vorher raus und Sandhausen hatte mit einer normalen Defensivtaktik keine Probleme gegen Bochums (heute lauen) Sturm. Und wenn Gregoritsch sich durchgesetzt hatte, rettete der Neubochumer Riemann (”Riemen”) gegen den 500.000 Euro Österreicher (”Ein guter Transfer”).

Bochum machte 1-2 dicke Fehler in der Abwehr - wie einen gewagten Querpass - schon musste Neu-Grazer Esser oder ein Abwehrbein in Blau gegen Schwarz-Weiß retten. Es blieb beim 0-0 zur Pause, was zu Pfiffen führte, obwohl es um “die goldene Ananas” ging für die Castroper. Bochum schoß so viele Tore wie Anne beim ESC erhielt.

Die 500 (!) Sandhäuser unter 15.300 Fans wurden immer lauter, die Stimmung des Restes immer läpscher, weil man nicht den Eindruck hatte, dass Bochum den Sieg unbedingt wollte.

In der 2. Halbzeit tauchte der VfL noch ein paar Mal vor dem Tor, vor Riemäään, auf, doch der war heute “ein Meister seines Fachs” und wurde von der Ost schon vorab gefeiert. Sonst gab’s viel Sommerfußball, viel Standgepöle, die Kraichgauer ahnten durch die anderen Ergebnisse, auch für sie ging es am Ende nur noch um die Ehre. Das führte zu einem entspannten, aber langweiligen Patt. Bochum vergab wie in Hamburg eine leichte Platzierungsverbesserung, man fiel sogar ein Platz im Ranking zurück.

Nein, das 0-0 im Hinspiel, wo Tasaka ein unfassbares Riesending vergab, wurde nicht getoppt an Einfallslosigkeit, aber es ging wieder 0-0 gegen Schwarz Sandhausen aus. Das 15. Remis des VfL zeigte ein Problem: Bochums Team rief sein Potential zu selten ab, um wie Darmstadt oben zu stehen und aufzusteigen - oder wie Paderborn und Fürth mit ebenfalls bescheidenden Mitteln - eine konstante, echte Mannschaft zu generieren, die oben mithalten will und kann.

Das Problem ist “die Mannschaft”, die unter drei Trainern keine echte Mannschaft wurde und daher wurden auch heute neun Spieler verabschiedet.

Was man lernen kann: nur wenn es Hochstätter und Verbeek gelingt, ihre Kompetenz auch bei geringen Mittel auf das Machbare zu fokussieren - und menschlich zu bleiben - und ein echtes Team zu formen, kann man 2016-2018 mal wieder oben angreifen.

Der 11. Platz war zu wenig, 7.-9. wäre sicher drin gewesen, aber unzufrieden war in Bochum dennoch nicht jeder. Das Ende war nicht so recht Fleisch noch Fisch.

Terodde wirkte sehr wehmütig heute, er wird Esser, Luthe, Abdat, Butscher, Sestak, Reinolz, Latza, uU Holthaus, uU Forsell und Co folgen, was einen erneuten radikalen Umbruch bedeutet. Gyamerah macht Reha?

Kann der kompetente Holländer seine sicher guten Ideen nächstes Jahr umsetzen oder führt sein krude Art zu einem depressiven Bochumer Herbst?

Ich hoffe, dass der 11. Platz nicht nur eine Zahl ist, sondern das Ende des dreijährigen Abstiegskampfes. Ich hoffe, wir greifen 2015, 2016 oder 2017 wieder oben an in der 2. Liga. Im Presseloch sind wir nach dem Neururerabgang wieder.

Aber ich weiß auch, wahrscheinlich ist das nicht bis 2020, “oben angreifen”. Doch trotzdem will ich bis Juli 2015 hoffen, dass viele coole neue Spieler kommen und nicht nur Flum oder Bröker ein Thema in Bochum sind.

Warten wir’s ab und machen einen Fahrradkorso.

Tom, CB’93

P.S.: Ganz lieben Dank für die vielen Glückwünsche, für mich persönlich war heute ein toller Spieltag!

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