Die Stunde des Siegers

Als Bochumfan ist man ja chronisch vorsichtig. Jede noch so kleine VfL-Euphorie kann schneller beendet sein als ein Wassereisgenuss im Death Valley. So wie im Vorjahr ist dann der Kater lang und hart. Doch seit gestern steht fest, der VfL Bochum hat sechs (!) Punkte auf seinem Punktekonto (nach zwei Spielen) und das kann uns auch der offensivstarke SC Freiburg in zwei Wochen nicht nehmen.
Der 3-0 Erfolg des VfL im kleinen Derby gegen den MSV war einfach hochverdient und aus Bochumer Sicht wunderschön.
Ein perfekter Tag für mich - und alle anderen 20.000 Bochumer - begann mit einer unfallbedingten Vollsperrung auf der A2 an der Porta Westfalica. Aber es sollte kein schlechtes Omen sein, denn ich kam pünktlich zum Anpfiff auf meinen Platz und die Stimmung sollte schon vor dem Spiel toll sein, nicht nur im Block A, überall in der Stadt. Irgendwie hat die Vorbereitung mit Siegen gegen MSV, RWO und BVB Lust auf diesen Club und seine Mannschaft geweckt. Auch die über 4000 Duisburger machten mit, sie sind in der 2. Liga angekommen, ihr Team noch nicht ganz. Duisburg kassierte wieder 3 Gegentore, jeweils gegen FCK und VfL, was passiert erst gegen Leipzig und Freiburg?
Bochum begann wie gewohnt mit Ballbesitz gegen eine Fünferkette (!) der Duisburger, versuchte es über die außen, aber rannte sich anfangs fest im grünen Netz. Nach vorne versuchte Onuegbu mal was, sonst kam wenig von den Zebras, um ihren Anhang zu erfreuen. Null Schüsse musste Luthe halten, der zur Zeit etwas ist, wie sein eigener guter Klon.

Nun es spielte nur der VfL wie “geboostet” durch einen kautzigen Holländer, der viel trainiert und mit seiner Philosophie die Spieler besser machen will. Sie scheinen es ihm zu glauben. Anders als Laberpeter aus den Neunzigern macht der Ex-Presseanecker das so gut, dass die Gegner sich an Bochumer auch mal die Zähne ausbeißen und - sorry Duisburg - “schlechte” Zweiligateams erst gar keine große Aussicht auf Erfolg haben.
Das soll nicht respektlos klingen, ich freue mich über Duisburgs Aufstieg ebenso wie über Bielefelds, aber was Lettieri ( “Wir haben Bochum in der ersten Halbzeit den Zahn gezogen. Durch den abgefälschten Schuss ist viel Last von ihnen abgefallen. Wir haben im Ballbesitz viel zu schnell die Bälle verloren”, sagte der MSV-Coach) da gut gesehen hat, bleibt sein Geheimnis.
Bastians deckte Onuegbu zu, das war’s dann auch mit Angriffsbemühungen. Bochum sparte sich wie in Paderborn die Torchancen für die zweite Halbzeit auf. Zwar traf Tim Hogland die Latte, aber das 1-0 wäre auch ohne die Großchance verdient gewesen. Trotz Bochumer Überlegenheit ging man mit einem 0-0 zum Pausenfiege und das war eigentlich eben nicht okay, aber Fakt.
Bochums Perthel, der einzige der mich gestern nicht voll überzeugte, schoss aufs Tor der Meidericher und erzielte das 1-0, weil ein Grüner den Ball wirklich doof abfälschte und der Goalie in Orange keine Chance hatte. Das kann man schon als “unglücklich” ansehen und klar machte dieses 1-0 dem VfL das Spielen leichter. Was Gino nicht erwähnte ist aber, wie “müde” sein Team bis zum 2-0 gespielt wurde, ehe Bulut mit dem 2-0 die Entscheidung erzielte und Ratajcak keine Chance ließ. Die Sonne strahlte, die Ost nahm die Hände nach oben, Verbeek kriegte am 53. Geburtstag ein schönes Geschenk einer scheinbar intakten Mannschaft, die eklig für ihre Gegner zu spielen sein wird, vor allem wenn sich Gündüz, Simunek und - vielleicht noch Eisfeld dazugesellen sollten.
Verbeek, sein Raymond, Hochstädter, Wilken und Villis haben bis dato einen guten Job gemacht und der Rest war Jubel und feiern.
Die Duisburger zogen leise von dannen und etwas “leid” konnten sie einem tun, dass ihre Manschaft schnell ankommen muss, ist klar und ihnen zu wünschen.
Wir sind zur Zeit gut in Form und die Kultfahrten nach Salmrohr (da gibt’s bestimmt gute Herrenwitze drüber!) und Freiburg stehen an und da bin ich gespannt, wie sich die Philosophie Gertjans umsetzen lässt an der Breisgau, sehe aber seit gestern eine gute Chance auf ein Remis wie 2010. Denn die Abwehr des VfL wurde stabilisiert und wenn Petersen nicht zwei Elfer kriegt - oder einen - dann haben wir Bochumer eine Chance im Spitzenspiel.
Ich könnte jetzt nach dem Haar in der Suppe suchen, aber in der Ritterburg und später im Raum mit 25 Bolognafans wurde einfach nett gefeiert und jeder - wirklich jeder Bochumer weiß, wie schnell Träume zerplatzen.
Aber ich hoffe auch, die Stunde des Siegers kommt irgendwann wieder zu uns. Nutzen wir sie!

Tom;CB’93

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