Grausam

Nach dem 0-0 beim Letzten FCK stolpert sich der VfL Bochum beim 1-1 gegen den Vorletzten Greuther Fürth ordentlich in die übeleste Herbstkrise seit 2013, es war einfach nur grausam heute.

Das Bild für die nur noch 11.000 Livezeugen hatte was von einem 0-1 gegen Waldhof Mannheim in den Achtzigern. 8000 pfeifen frierend durch die Nacht, im Halbhellem sieht man “Löcher aus Beton” in der Ost. Die Farbe Grau legt sich auf die Fanseele. Das machte keinen Spaß wie schon vor 2 Wochen. Mir sagte ein alter Bekannter vor dem Spiel am Fanshop, er wolle sich vom Alltag ablenken. Der VfL tat alles, auf vielen unterschiedlichen Ebenen, um einem das Wochenende zu versauen und den Montag zum Freudentag zu machen, weil man endlich wieder was Sinnvolles tun kann.

Die Greuther Fans waren lauter als die entultrarte Ost, die Spieler des VfL hätten ihren Trainer flüstern hören können: Doch er, der reichlich emotionslose Pep für Arme, würfelte eine Aufstellung zusammen, die nicht jeder verstand. Ok, Perhel, Eisfeld waren verletzt und Stöger gesperrt, aber Sam und Hemmerich garnicht zu bringen, da ist man zwar als Fan kein echter Fachmann, aber man versteht es auch nicht so richtig. Das ist auch mit Celozzis Position so, der Dreierkette und und und.

Fürth in Weiß nutzte eine pennende Abwehr zum 0-1 und führte. Selbst dieser Witz kotzt einen an, wenn man eine solche Leistung geboten kriegt wie wir Zuschauer heuer. Bochum spielte strukturlos gegen einen meist schwachen Gegner, der stets bemüht war. Die Fans schwiegen heute überall, manche mit System, andere nur so und wieder andere, versuchten für sich selbst Spannung aufzubauen, weil es sie von außen nicht genügend gab. Die vielen tiefen Gräben, die es wohl schon immer gab in der Fanszene, werden seit Wochen durch neue ergänzt, flankiert von einer überschätzten Mannschaft, die keine ist - und unter dem dritten (!) Trainer immer schlechter wird.

Nach dem 0-1 durch die Hure Roms, machte Hansi Hinterseer das 1-1 per Standard und sorgte für die einzigen zwei kurzen Highlights des Tages. Ein Tor und ein Punkt, das war wirklich mehr als dieses VfL-Spiel jemals verdient hatte. Man fror, man starte, man schwieg und nippte am Fiege oder am Kaffee. Die 120 Fürther solidarisierten sich dem Ultras auf der West, der Rest der 11.000 schimpfte in sich hinein oder war teilnahmslos bis apathisch.

Bochum hatte auch in der 2. Halbzeit kaum Torchancen, es wirkte wie in den ersten 25 Minuten vieles zufällig und ungeplant im Spielaufbau. Das man mit diesem Antifußball seit 3 Spielen ungeschlagen ist, kann man nur dem Unvermögen der Gegner zuschreiben, nicht einer eignen Leistung, wie es sie unter Verbeek noch gab oder gar unter Neururer.

Hochstätter wollte 15 Punkte aus den letzten 5 Spielen holen und verlor schon mal 2 auf diese Rechnung. Er wird sich mit Engelbracht und Vilis gut beraten müssen, um das schwankende VfL-Schiff über den Winter zu bringen. Es knirscht überall in der zukünftigen KGaA,

Die Situation ist insgesamt sehr, sehr ernst. Nicht nur dass Gündüz nie wusste, wo er hinlaufen musste: Es wurden in Blau aussichtsreichste Chancen vergeben, um das 2-1 zu machen, aber nicht kurz vor dem Tor, nein 2-3 Schritte vorher. Schlimme Fehlpässe, bei denen man sich fragte. ob das noch Profifußball sei. Fast hätte Fürth das 1-2 noch gemacht, aber die schwarze Perle des Ronhof wurde von unserer 21 kurz vor dem 1-2 geblockt. Das war wenigstens Einsatz. Der Super Gau wurde sogar noch verhindert, aber pfeifen taten viele nach 90 Minuten.

Fassen wir zusammen: Bochum kann seit Wochen auf dem Rasen nicht mehr siegen oder schön spielen, jeder neue Trainer ist ein Rückschritt zum Vorgänger, das Team ist falsch zusammengesetzt und ihm fehlt nicht nur die Balance, der Sportdirektor wie ein angeschlagener Boxer, “Wunderkind” Engelbracht hat bei den Ausgliederungsgegnern Vertrauen verspielt, UB; MLPT und der Rest beschuldigen sich gegenseitig, zu spalten, zu beleidigen und alle waren heute still, weil es zur Zeit einfach grausam ist, VfL-Fan zu sein.

Ich fahre zurück nach Köln, nur eine Sekunde denke ich, es könnte schlimmer sein. Und fahre am Stadion von Fortuna Köln vorbei und habe eine Vorahnung. Aber keine Gute.

Nein, ich bin ehrlich, mir hat heute ganz viel gefehlt, die Stimmung in der Ost, die Fahnen, die Gesänge, der Zusammenhalt der Fans, der Spielwitz, der Fight und ein Glaube an ein besseres nächstes Jahr und die Emotion VfL.

Da will man als VfL-Fan fast auf den Arm.

Tom; CB’93

P.S.: Gruss an Michael M., Mata Hari und die Block A’ler

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