Bologna - London - Wien

Das Chillout einer langen und aufreibenden Saison (ohne echtes Happy End gegen MG) kann unterschiedlich ausfallen. Der eine guckt alte Saison-DVDs aus der Sport- Bild, der nächste will von nix mehr was hören und wieder ein anderer ordert schon mal schnell eine Dauerkarte für die nächste Saison 2011/2012. Da kein Bochum-Team Deutscher A- oder B-Jugendmeister werden konnte und das Trainingslagerfahren nicht so spannend ist, entschieden sich die Ultras nach Bologna zu fahren, Seria A gucken. Dort besteht eíne weitere Ultrafreundschaft (neben der zu Eintracht Braunschweig und der zur Schickeria vom FCB) und die sollte geflegt werden rund ums Doppel-Relegationsspielchen gegen Gladbach. Inwieweit die Fanfreunschaft zu FC Bayern oder die Hoolfreundschaft zum BFC Dynamo eine Bedeutung haben, mag jeder Bochumer für sich entscheiden, in Bologna wird die “Bologna e Bochum”-Freundschaft jedenfalls geflegt. Der UB-Bochumbus mit den Commandanten Björn, Dirk und Mareike wurde nach zig Stunden Fahrt empfangen in der Unistadt in der Nähe von Mailand und es war alles perfekt organisert. Essen, Übernachtung, gemeinsames Fanturnier und Party sowie das Spiel von Bologna-?, wo die Bochumfahne wehen sollte. In südländischer Marnier aß, trank und feierte man gemeinsam, auch geteilte Gesänge wurden von den Freak Boys und Co organisiert. Allerdings sind nicht alle happy, denn Fanfreunschaften haben ihre Grenzen. Für die drei anwesenden Commandanten schien Bologna eine unsterbliche Erfahrung gewesen zu sein, sie schwärmten davon, Italien ist halt Heimat der Ultramania.

Das Championsleagueendspiel eine Woche später in Wembley sollte nur Robin live beiwohnene, denn die Kartenpreise waren offiziell für 100-600 Euro beziffert, in Wahrheit wurden von ManU-Sympathisanten bis zu 1000 Euro hingelegt. Die Katalanen flogen auch zum Teil über Deutschland nach London, so sahen Olli, Bernd und ich schon die ersten Fans in Weeze mit Ryanair einfliegen. London ist immer voll mit 29 Millionen Touristen und sahen wir noch zusätzlich 20.000 rot-gelbe, die zurückhaltend ihr Team feierten in Londons Innenstadt. Die Pubs füllten sich, wir zeigten keine Ambitionen nach Wembley zu fahren, sondern hatten uns nur von Kensington nach London City bewegt, wo wir die typische Touritour machten und die lohnt sich. Es war sicher weniger Fußballflair in der Stadt für Hardcore-Fans als bei Bologna, dafür waren aber 30.000 ManU-Fans gespannt, ob ihre RED ARMY abend um zehn feiern würde. Sie sollten sehr still bleiben.

Barca sollte mehr noch als 2009 für eine Fußballdemonstration der spanisch-katalanischen Fußballüberlegenheit und momentanen Perfektion sorgen. Das 1-0 durch Barcelona sollte Rooney noch retournieren können, doch es blieb trotzdem still im Pub unten an der Themse, wo wir drei das Spiel bei einigen Pints guckten (in the George!). Das 2-1 durch Messi war ein Traum, das 3-1 durch Villa eine Macht- und Schönheitsdemonstration des besten Fußballteams der Welt. So dominierte die spanische Elf, dass ManU so chancenlos war wie Schalke gegen die Engländer im Halbfinale, nein ManU war noch unterlegener und die Briten im Pub wurden immer leiser, ein 5-1 wäre echt locker möglich gewesen. So dominierten die Spanier, die Katalanen sein wollen, im weiten Rund vom Wembley auch stimmungstechnisch und Platini musste von einem stolzen Messi bei der Pokalübergabe seine eigene Begrenzheit erfahren.

Der Rest waren Siegesfeiern am Trafalgarsquare und eine lange Nacht in Soho, ein spanisch-englischer Abend nach gutem Fußball, der freidlich und entspannt blieb.

Die nächste Woche sollte mit dem prestigeträchtigen Nachbarschaftsderby Austria-Deutschland in der EM-Qualifikation für die EM in der Ukraine und Polen 2012 noch ein kleines Schmakerl bieten, am Ende der strapaziösen Saison. Sah man eine Woche vorher beim CL-Finale Feinkost, so sollte es eher Eintopf werden, in einem Duell, was seit 80 Jahren eigentlich immer zugunsten des großen Nachbarn ausgeht, abgesehen von 1978 und Freundschaftskicks.

Die Deutschen reisten mit dem Flieger an und die ersten Fans, die ich in Köln-Bonn sah waren RWE’ler, ein paar Kölner und einige Einzelkämpfer wie mich, die den Ruhm ihres Clubs in die Nationalmannschaft tragen wollten und Reus, der das 1-1 gegen Bochum machte, sollte ich nicht widersehen wegen Verletzung. Es waren viele Deutsche verletzt in Wien, ohne Schweini, Mertesacker, Kheidira, Klose, Boateng und Co mussten Özil, Kroos, Lahm, Podolski und Gomez die Kohlen aus dem Feuer holen, was dem Sunnyboy Gomez ja auch hervorragend gelingen sollte.

Um 17.00 traf ich das Commando am Novotel in Wien-Innenstadt, nicht weit vom Sofitelmannschaftshotel des Adlerteams, dann fuhr man in die Stadt, wo sich die Deutschen sammelten und wo in einer engen Gassen 180 Kategorie C-Fans festgenommen wurden. Die Kneipe war danach geschlossen. Wir, Benny, Olli, Trifan, Kai, Jochen und ich aber schlenderten zum Prater und zum Schweizer Haus, gingen dann aber in einen Biergarten, wo man Vilgi und die Sechziger traf, die man auch schon in Brüssel getroffen hatte. Presswerker sah man und Spreeborussen, viele Sachsenkrieger und Magdeburger sowie sportfrei Leute, die sicher Bock hatten, die Wiener von Skandalderby vor zwei Wochen zu treffen. Doch so blieb es nur bei schwachen Frotzeleien vor dem Spiel der Rot-Weißen und Schwarz-Weißen, das wars so ziemlich. Die Polizei begleitete uns zum Stadion und später auch wieder zurück, wo man 2008 vor dem Spanienspiel mit der Bimmelbahn gefahren war. Diesmal leif man zu Fuß zum Stadek, wo 6000 deutsche unter den 53.000 Zuschauern waren. Österrich spielte stark mit Fuchs (der Typ geht nach Schalke, Arrrghhh!), Harnick, Pogatez und Co, denn die deutsche Elf war müde und ersatzgeschwächt, doch das 0-1 fiel durch einen Gonezabstauber. Da hatte er 2008 beim 0-1 durch Ballackfreistoß an gleicher Stelle versagt, diesmal nutzte er die 100 prozentige Chance. Dass Deutschland sicherer wurde, sucht man vergebens, dass Österreich das 1-1 wollte, schon eher. Die Legionäre aus diversen Ligen machten Polster, Herzog und Krankl alle Ehre und schossen das hochverdiente 1-1 auch. Ja die Zuschauer sahen einen echten Zwergenaufstand, den Gomez in der Nachspielzeit beendete. 1-2 für Deutschland, ein glücklicher Sieg der besseren Einzelspieler gegen diesmal motivierte Österreicher. Die waren enttäuscht gegen die Piefkes wieder verloren zu haben und ärgerten sich, während vor dem Stadion sich der deutsche Mob sammelte. Es sollte ein netter Abend werden, doch zunächst kanalisierte die Polizei die Fans zum Praterhaltestellenpunkt der ÖBB und es blieb nur dank der Polizeipräsenz ruhig.

Wir feierten munter weiter und sollten am nächsten Samstag mit Touriprogramm und Donau sowie Grinzig alles richtig machen. Sonntag war dann wieder Sonne satt, doch der Flieger von Germanwings sollte sage und schreibe 5,5 h Verspätung haben, so landete ich um 4.00 in Köln-Bonn anstatt um 22.10. Das alles wegen der Unwetterlage nach schwülen Tagen, ein kleiner Minuspunkt einer sonst perfekten Reise.

Nun ist Fussek also vorbei und man wartet nun bis Anfang Juli, bis man wieder viel Reisen kann, wenn man mag. Und die Leute aus Dresden, Rostock und sonstwo sieht man auch schnell wieder, auch wenn man lieber Dortmunder und Schalker wiedersähe. Aber das Leben ist halt nicht immer ein “Wünsch dir was!”, aber manchmal schon ;-) ))

Tom, CB’93

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