Wenn man in Bordeuax die Marseillaise übt, um nach Paris zu gelangen

Es fing blöde an: Ein Mitfahrer sprang ab, durchwachsenes Wetter am Tag, martialische Kontrollen vor Aachen-Brandt der Bundespolizei mit MP und dann auch wieder politisch inkorrekte Marinefahne am selben Versammlungsort bei den 3 Brasseurs. Dazu wurde kurz vor unserem Heimweg ein Frankfurter zusammengeschlagen. Aber sonst war es ein toller Tag in Nordfrankreich, wenn man nicht wie Franz Kafka an die ganze Sache herangeht.
Der 3-0 “Heimsieg” der deutschen Elf in Lille gestern war sowohl souverän herausgespielt, deutlich im Ergebnis als auch schön live beizuwohnen von der ganzen Stimmung, obwohl schnell die Spannung fehlte. Deutschland spielte sich wieder in den Kreis der Topfavoriten der EM. Nach dem Polenspiel kamen schon Zweifel bei mir auf, die sind nun ausgeräumt.
Die ersten 35 Minuten dieses Achtelfinales stellten eine Partie da, wie ein Bayernheimspiel gegen Darmstadt 98 in der Allianzarena - ernüchternd einseitig und mit wenig Chancen für den jeweiligen Underdog. Ein vertrautes Gefühl für einen Bochumfan. Man konnte drei Bochumfahnen (4630/Stiepel/VfL) zählen, so klar war die dt. Überlegenheit gestern.
Die Schwarz-Weißen im dauernden Ballbesitz, sie pressten, liefen und drückten, dass Blau nur staunte und hinterherlief. Die Nachbarn kamen kaum über die Mittellinie. Dafür traf ein neuer Nachbar der Herzen: Boatengs 1-0 durch einen schönen Fernschuss sollte nur der Auftakt der neuen Fußballstärke von Jogis Jungs sein. Außerdem zeigte der Bayerninnenverteidiger nun, wie sehr er die neue Weltklasse ist. Ein anderer namens Özil hätte das 2-0 dreimal machen können (und müssen), aber erst scheiterte er per Elfer, dann per Schuß - und die dritte Chance war die beste, aber es blieb beim schmeichelhaften 1-0 gegen die braven Slowaken. Es wird wohl wieder was von den “Panzern” in der Presse stehen.
27.000 Deutsche unter über 40.000 Zuschauern im Grand Stade Pierre Mauroy bildeten eine stimmgewaltige Kulisse für die Löwfestspiele (Axelschweißgate). Draxler (für Götze) spielte toll und bereitete für den schönen Gomez das 2-0 vor. Nun war klar, Deutschland fährt Samstag nach Bordeaux ins Viertelfinale und da wird es nicht nur um guten Rotwein, Käse und Baguettes gehen.
Wer sah wie sich die noch biederen Franzosen gegen wackere Iren mühten, weiß - dieses Deutschland könnte die Franzosen im Halbfinale besiegen. Ihr fragt Euch sicher, gegen wen, würde es leichter, Italien (unser absoluter Angstgegner) oder die elegante spanische Ballmaschine? Ich sage, sicher gegen den Trend, ich hätte lieber Italien. Wieso??? Irgendwann muss der Knoten platzen und die erfolgreichen Iberer (Titel 2008/2010/2012) sind immer noch stärker als die Heimat des Ultratums. Aber vielleicht irre ich mich da auch und der Bauch entscheidet und wir wünschen uns einen Sieg der Mannen um Iniesta um am Samstag eine Fußballfiesta zu sehen.
Die Slovaken waren dafür gestern in Nordfrankreich einfach zu schwach, ähnlich wie die Ungarn gegen die Belgier eine Qualitätsfrage. Die Bochumer Fans konnten Stani wiedersehen, das 3-0 fiel dennoch für Deutschland. Ein 4-0 war drin, doch weder Poldi, noch Schweini machten das Tor. Egal, die Stimmung in der Unistadt war trotz des durchwachsenen Wetters meist toll, Lille rockte wie Paris als Austragungsort der deutschen Spiele -sag ich mal verkürzt. Die Stuttgarter machten durch Bierkonsum einfach Nord- zu Südfrankreich, die Stiefs lassen grüßen.
Nun geht es nach Südfrankreich (Bordeaux/Marseille) gegen sehr starke südeuropäische Teams, da muss Jogi noch 5-10% der Effektivität rauskitzeln, die gegen Nordirland, die Ukraine und die Slowakei fehlte.
Gegen Italien und Spanien muss man seine Chancen machen.
Die Abwehr um Neuer, Kimmich, Boateng, Hummels, Hector steht mittlerweile wie eine Eins, man hatte 4 Spiele ohne Gegentore. Da wurde eine Mauer gebaut, die Trump begeistert hätte.

Nun geht es richtig los, Spanien, Frankreich und Belgien sind drei Kracher auf dem Weg zum Titel. Ich träume vom Titel am 10. Juli 2016 in Paris. Träumt ihr mit?

Dann geh ich endlich zum Weinladen an der Ecke und bestelle einen Beaujolais anstelle von Hirschsalami. Versprochen!

Tom;CB’93

P.S.: Grüße an die Autocrew um Matthes, Andre und Phillip

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