Leider

Leider spielte der VfL Bochum gestern suboptimal gegen den FC St. Pauli 0-1 vor ausverkauftem Haus. Die Zweitligaaison startete vor 27.300 Zuschauern mit einem Pfeifkonzert gegen die merkwürdige, aber aus meiner Sicht nicht wirklich schlimme Eröffnungsshow des DfB. Die Vereinswappen wurden bespielsweise falsch herum gehalten.

Beide Fanlager waren sich gestern einig, dass die Kommerzialisierung im Profifußball an einem Punkt angekommen íst, an dem man das längst überdrehte Rad nicht weiter drehen sollte. Chaotische Chinareisen der Großclubs, eine Mannschaft aus China in der Südwestliga, irre Ablösesummen, Praktiken von Beratern und absurde Gehälter entfremden die Fans von ihren geliebten Vereinen immer weiter. Dazu gab es Banner gegen die fußballfremde Show und die Diskussion um die Ausgliederung wird beim VfL diese Elemente sicherlich aufgreifen.

Auf dem Rasen fand zunächst nur der FC St. Pauli statt. Die weiß-braun-roten Spieler wirbelten und Bochum bekam beim Profidebüt von Atalan zunächst kein Bein auf die Erde. Fehlpässe, Unsicherheit, die Hamburger kamen zu Großchancen in der Minute 5 (geblockt!), 15 und 37 und der VfL berappelte sich nur mühsam. Dafür sollten sich Bochums Fans von der besten Seite zeigen und den braun-weißen Anhang übertönen. Aber leider stellte sich das auf dem grünen Rasen anders dar. Blau gehemmt, blockiert und mutlos gegen die bunten Kiezkicker.

Möller Daehli konnte im Mittelfeld im Loch vom überraschend aufgestellten Gündüz wirbeln und stellte Bochums rechte Seite oft genug bloss. Der neue, junge Trainer aus Lotte hatte ihn aufgestellt statt Merkel/Saglam, dazu Celozzi im Mittelfeld, Maßnahmen, wo man sagen könnte, dass sie glücklich waren. Diamatakos bekam wie Wurtz kaum vernüftige Bälle und das 0-0 zum Pausentee sollte megaglücklich für den VfL sein, der nur eine Torchance in der 1. Hz hatte.

Der Niederländer wäre für so eine Leistung von der Presse geschalchtet worden. Mal zum fußballkundigen Ex-Coach soviel, er hat dem VfL eine klasse Heimbilanz hinterlassen und gute Trainingsimpulse, das sollte man auch sagen, lieber Philipp Rentsch, Günther Pohl und schmierige Bild.

Aber neue Atalan hielt wohl eine gute Halbzeitansprache, so dass der VfL nun wenigstens die Angriffswut und Spielfreude der Hamburger besser eindämmte. Eisfeld (gestern Chancentod) kam frei vor Himmelmann zum Schuß und vergab in der 50. Minute. Wer weiß, was das bewirkt hätte, eventuell die Hemmungen gelöst, aber hätte hätte Fahradkette. In einer überschaubaren Bochumer Drangphase konterte der Hamburger Stadtteilclub und Buchtmann machte daraus das 0-1. Das war verdient, aber nicht glücklich für den VfL zum Zeitpunkt her.

Zwar kamen mit Merkel und Mlapa neue Impulse, Bochums Fans wurden aber leiser, weil Jansens Team reifer wirkte. Drittbestes Team 2017, sieben Testspiele gewonnen, gestern schlug Hamburger Form das auf dem Papier favorisierte Heimteam des VfL.

Nach dem 0-1 hatte man irgendwie nie den Eindruck, dass Bochum das Blatt wenden könnte, dabei hatte man Chancen, war aber, genau wie Pauli nicht konsequent im Abschluß.

Insgesamt hatte der Auftakt ein gutes Spielniveau, erstickte aber die frische Euphorie nachhaltig. Wie geknickte Tuplen standen die Bochumfans in der Kurve, während Dirk Jura von Slime mit den Paulifans zurecht feiern konnten.

Pauli wird nicht unbedingt aufsteigen und dennoch oben sein, Bochum wird mit Hinterseer und Kruse in der Hinterhand pokern, aber muss sich gegen den MSV (”Alle in weiß!”) sich steigern müssen, sonst wird die “Tschüß-zweite-Liga”-Tour mit unserem Banner zum Bumerang. Darüber konnte ich im A-Block mit netten Menschen vom Kambodschamann über die üblichen Sitznachbarn beim Pilsken philosphieren, aber etwas Frust ist schon da beim harten Aufschlag.

Zumindest ein Remis hätte man gebraucht, damit die gute Stimmung nach den Transfers und neuem Trainer mit gutem Gefühl zu den Westderbies fährt. Gestern hatte Bochum die Köttel inna Buchse, wir waren gestern anders braun-weiß als der FC St. Pauli.

Aber hier mache ich nicht auf “himmelhochjauchzend bis zu zum Tode betrübt”, alles was gestern kaputt gegangen ist, kann repariert werden, gerade punktemäßig. Nur das Gefühl, wenn Bochum sich vor vollem Haus präsentiert, meist verliert, zeigte sich zum Auftakt zum zweiten Mal gegen den Kiezclub brutal vorhersagbar für Unken.

Samstag, auf nach Duisburg, Mund abputzen, gewinnen. Das wäre was.

Tom, CB’93

Bochum: Riemann - Gyamerah, Hoogland, Bastians - Celozzi, Losilla - Gündüz, Soares - Eisfeld - Diamantakos, Wurtz
St. Pauli: Himmelmann - Kalla, Sobiech, Hornschuh, Buballa - Nehrig, Buchtmann - Möller Daehli, Sobota - Allagui, Bouhaddouz

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