Jetzt kann wieder geuunkt werden

Der VfL Bochum spielte Samstagsmittags beim MSV Duisburg 1-1 - und holte damit den ersten Punkt der Saison mit seinem Standardergebnis der letzten drei Jahre. Verlor man gegen den spielstarken FC St. Pauli noch irgendwo verdient 0-1, so wäre bei dem kleinen Revierderby sicher mehr drin gewesen als “nur” ein Remis. Es machte sich nach vier Wochen ungewohnter VfL-Euphorie etwas Ernüchterung nach dem Schlußpfiff breit, wobei 4000 Bochumer mächtig Stimmung gemacht hatten und den ersten Punkt größtenteils hinter dem Tor in Weiß feierten. Eine Top-Aktion der Ultras, denen nur der Regen übel mitspielte; sie sorgte für einen Impuls in der Bochumer Fanszene. Nein, die treuen Fans auf beiden Seiten, der Ruhrpott-Rahmen, all das stimmte an der Wedau als Rahmen. Kein Zirkus, kein Firlefanz, erdiger Fußball der Duisburger gegen Bochumer in Orange, die wieder die Anfangsphase als aktives Team verpassten. Atalan hatte das System auf 4-4-2 gewechselt, Kruse und Hinterseer gebracht und doch spielten erst mal die lauf- und kampfstarken Meidericher Gruevs vor 23.000 Fans. Das 1-0 fiel per Rechtsschuß nach einem Angriff über rechts (linke Bochumer Abwehrseite) und machte es dem bemühten, aber spielerisch limitierten Zebras leichter - gegen den Papierfavoriten zu bestehen. Zu viele Stockfehler der Castroper im Aufbau, Duisburg lauerte, holte sich die Bälle und versuchte auch nach dem schnellen 1-0 aktiver zu sein, als die Gäste, die immer noch nach der Überzeugung unter dem neuen Trainer suchen. Die VfL’ler liefen gefühlt zu wenig, aber nach den ersten toten Minuten kam die bessere Fußballmannschaft ins Geschäft. Bochum hatte durch Kruse und Hinterseer Chancen, während Wurtz durchhing. Stiepermann nahm den Konkurrenzkampf nicht auf, er wechselt nach England, auch er ist nach dem letzten VfL-Jahr kein Verlust.

Die Sonne kam raus und Bochum hatte die letzte Viertelstunde vor dem Pausentee nicht nur die Strahlen derselben im Herzen, sie fanden sich auch endlich, auch weil Duisburg - als eine Elf der Nobodies - außer Stoppelkamp und Onuegbu - nicht mehr kann als Kämpfen und Rennen; das reichte auch leider 45 Minuten für den aktuellen VfL nach Verbeek und mit Atalan.

Diese Personalie von Hochstätter wird auch irgendwann zu diskutieren sein, aber jetzt braucht der Isi erst mal unsere Geduld und Zuspruch. Er wechselte goldrichtig zur Pause, Bandowski für den megaschlechten Wurtz und der machte schnell das dann verdiente 1-1. Er, der zig Monate verletzte Ex-BVB-Jugendspieler, wurde an der Wedau auf Links der Mann des Spiels. Viele Angriffe kamen nun über links, eben über Jannik - und vom MSV kam nicht mehr viel, wenig bis Garnichts schafften die Wolzes und Schnellhardts. Dabei hatte Ivo Grilic leicht ironisch Bochum zum “haushohen Favoriten” erklärt, nun spielte der VfL überlegen, unterstützt von leidenschaftlichen Anhängern. Aber Eisfeld und Co machten nach vorne zu wenig aus ihrem Potential, am Ende war’s  viel Abschlußungefährlichkeit a’ la Außennetz.

Duisburger Transparente warnten Bochumer Supporter vor der Ausgliederung, aber der VfL Bochum 1848 eV spielte nun endlich sein Potential nach vorne aus. Der MSV hätte sich über einen Rückstand nicht beschweren dürfen, aber der dann noch eingewechselte Mlapa spielte wie Peniel  - der Ball-Dämel - und Duisburg konnte das 1-1 bis zur 92. Minute halten. Am Ende versuchte die Elf mit den Zebrastreifen ihr bescheuertes Plüschmaskotchen sogar noch ganz glücklich zu machen. Auch das klappte nicht. Riemann hatte den Laden seit dem 1-0 aber im Griff, die Viererkette griff, hinten hielt man stand, auch weil vom Heimteam wenig kam. Es gab ein am Ende annäherndes leistungsgerechtes Unentschieden, obwohl der VfL ein viel höheres Potenzial phasenweise andeutete, nicht mehr und nicht weniger. Daher gab’s wohl auch Ernüchterung.

Der erste Punkt, das erste Tor im Derby, trotzdem wartet auf den VfL viel Arbeit. So steigen wir sicher nicht auf und spielen auch nicht oben mit. So nicht. Atalan darf nicht nur der Nette  und der Neue sein, er muss den Profis sein System näherbringen, damit nicht jedes Mal 30 Minuten ins Land gehen, bis Bochum Fußball spielt. In Nöttingen, d.h.  Karlsruhe, in BIelefeld und gegen Dresden braucht der VfL drei Siege, die bei aller Unterschiedlichkeit der Gegner auch drin sein müssten. Aber leider hat Bochum gezeigt, dass es sich bei eben diesen Selbstverständlichkeiten schwer tut. Ob das nun an der Selbsternennung zum Aufstiegskandidaten zu tun hat, mit dem überraschenden Trainerwechsel oder einem überschätzten Potenzial, klärt sich im Laufe der Saison.

Am Ende war man sogar erleichtert, dass der VfL keinen Fehlstart hatte wie die Oberbayern aus Ingolstadt. Bochums Fans sind in der Realität angekommen, gehen aber damit gut um. Die Euphorie war halt eine unbegründete Vorfreude -na und?

Ich fand den Rahmen den Sankt Pauli und Duisburg so, wie ich mir Fu0ball wünsche. Das die fußballerische Leistung zZ hinter den Ansprüchen zurück bleibt, da kann man noch Jammern und Klagen, wenn der Herbst naht.

Die Galopptischen (MSV-Banner!) werden das Ähnlich sehen, heute war ”Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen!” und nicht “Hochmut kommt vor dem Fall!”.

Heute muss ich auch mal ein Lob an die Bochumer in Meiderich aussprechen, ihr habt gerockt.

Und in Bielefeld ist vielleicht schon mehr drin.

Tom;CB’93

Gruss: An Kai, Toto sowie Zorni, Moschner und alle die in Duisburg Spaß hatten trotz “Risotto Bottrop auffem Feld”!

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