Das Danach

Selten war ich so positiv überrascht vom VfL wie heute auf dieser denkwürdigen JHV 2017 in der Jahrhunderthalle Bochum. Also, die größte Sensation aus meiner persönlichen Sicht waren die über 2700 anwesenden Mitglieder der ca. 6800 “echt” Wahlberechtigten (von 10.320 theoretischen?) Mitgliedern des VfL. Man stand echt etwas Schlange, wo sich sonst bestenfalls 700-1000 Leute im Audimax der RUB verlieren. Man merkte, heute ist ein wichtiger Tag für die Zukunft des VfL Bochum.

Waren die Vorbereitung der JHV - und das Pro und Contra zur Ausgliederung - zunächst Musterbespiele an idealer, gelebter Demokratie und Diskussionskultur, war es die Veranstaltung JHV 7.10.17 von Seiten der Pro-/Contra-Gruppen dann nicht so wirklich.

Logischerweise setzte die “EchtVfL”-Kampagne auf gute Argumente, persönliche Überzeugungsarbeit und einen entschlossenen Block an Neinsagern - und sie erreichte dieses sehr gute Teilziel, 533 Neinstimmen, das ist ein dickes Brett an NEIN!  Durch die sehr hohe GEsamtbeteiligung (ein Wortwitz des Schreibers), nämlich über 2707 Mitglieder, davon 2158 Ja-Stimmen und 16 Enthaltungen (plus eine ungültige Stimme), entschieden sich exakt 80,19 % der anwesenden Mitglieder für eine zunächst 20-25%-Ausgliederung der Profis und A-Jugend in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien. Auch wenn da Münchener dabei waren, es war eine Bochumer Entscheidung. Von Gelsenkirchen wollen wir hier nicht reden.

Das ist eigentlich ein ordentliches Ergebnis, mit dem beide Seiten sehr gut leben könnten, aber eben nicht taten. Wenn man emotional - und auch sonst wie (ideologisch) - die Ausgliederung total ablehnt, wie z.B. die Ultras Bochum, MLPT oder affine Gruppen sowie Einzelpersonen: Sie, die UBs, standen auf, 180 Leute gingen demonstrativ raus aus der Jahrhunderthalle und viele blieben auch ruhig dabei. Aber manche pöbelten, einige wenige: ”Wer von denen war denn in Kiel?” und dann flog ein bis drei Böller im Saal (und detonierte heftig) und einer verletzte einen Ordner leicht. Draußen ging noch was zu Bruch, man sah auch Rauch, ein echter Stadionabgang, der irgendwie garnicht nicht hierher passte, aber auch ein Ausdruck von viel Frust über das 80%-Ja-Ergebnis war - und über “eine Finte von Engelbracht”, der dem fleißigen Simon vor seiner Gegen-Rede mit den angeblichen Mitgliedsanträgen von Schalkern provozierte und etwas aus dem Konzept brachte. Das wiederum wurde als sehr unfair aufgenommen, aus Sicht des Vorstandes war das bestimmt “clever”, aus Sicht der Gegner der Ausgliederung wenig koscher.

Gerrits emotionales Statement tat sicher auch nicht wirklich was dazu, für Unentschlossene Argumente gegen die Ausgliederung zu finden, es gab Buhrufe und der Niederrheiner war “on fire”, aber ohne den möglichen argumentativen, roten Faden. Hugo Fiege war der solide Geschäftsmann und es folgten einige andere gute Redner.

Der schroffe Abgang der Ultras lässt erahnen, da kommt noch was nach, das war es noch nicht. Der vermeintlich gute (oder schlechte?) Tag für den Verein hatte so ein unwürdiges Ende, was als “technische Störung verkauft wurde”, was aber nach Tumult roch. Es gab Pfiffe und Buhrufe nach dem Abgang, nun ja ist keine Oper.

Ich wurde noch von einem 16 Jährigen als “größter Hurensohn hier” tituliert, der wusste wohl, ohne meine Mutter zu kennen, das ich mit am Ende mit Ja gestimmt hatte - wie 2152 andere. Das nenn ich mal Fachkenntnis im Schulalter. Aber im Ernst, ich fand es schade, dass Simon und Gerrit ihre theoretischen reichlichen Chancen nicht nutzen und ihre zahlreichen, guten Argumente gegen die Ausgliederung nur etwas unvorteilhaft nach einer Reihe Ja-Rednern brachten, sodass man letztendlich  - wie erwartet - ein klares Ja zur Ausgliederung bekam. Der tiefe Frust der Verlierer der Abstimmung offensichtlich tief saß, man ging mit Knalleffekt. Vielleicht war es für den VfL auch ein guter Tag, wer weiß das schon. Das wird man in 5-10 Jahren sehen.

Ich würde mir wünschen, dass man da auf den legendären UFZ hört  - und dass “wir alle VfL’ler” sind und dass “Ja und Nein” als eine persönliche Wahlentscheidung betrachtet werden wird und nicht als eine Glaubensfrage ”und man nun Religionskriege führt”, wo keine sind. Aber ich habe Zweifel.

Man kann als 16 Jähriger Mist machen, keine Frage, aber dann ist auch irgendwann mal gut. Aber eins ist mal klar, dieser VfL bewegt die Menschen (siehe Aufkommen an Mitgliedern) und es wäre wirklich schön, wenn das die Spieler auch mal mitkriegten. Kiel kotzte auch heute am meisten ALLE an.

Perfekte Orga, viele echte, alte VfL’ler, viele nette Leute getroffen, das Ende war sehr sehr schade, vor allem, falls die Ultras sich da nun in was verennen. Da geht vielmehr zu Bruch als Glas. Und dabei hat Kevin doch seinen Kampf gewonnen.

Tom; Ja-Sager Commando’93

P.S.: Gruss an meine Ex-Gerther Mitspieler Arndt M., Denis Millner, dazu an den Klüngler Julian und Florian H., meinen Fahrer, sowie den Kambodschamann und Dirk W.

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