Die Antwort der Geschäftsführung des VfL Bochum (Kaenzig/Schindzielorz) auf den Artikel “System Error”

28. April 2020

Lieber Tom MacGregor,

seit vielen Jahren sind Sie den meisten Mitarbeitern des VfL Bochum 1848 als Fan, Fanclub- und Vereinsmitglied sowie Dauerkarteninhaber ein Begriff. Wer sie näher kennt, weiß dass Sie zudem auch gerne ihre Erlebnisse und Erklärungen aus dem Stadion in einem Blog zusammenfassen. Das gibt uns wiederum die Chance, Ereignisse und Entwicklungen in unserem Verein sowie im Fußball generell aus einer anderen, fanbasierten Perspektive zu betrachten - und daraus unsere Lehren zu ziehen.

In einem Telefongespräch mit unserem Fanbeauftragten Dirk “Moppel” Michalowski haben Sie uns die Möglichkeit zu einem Feedback auf ihren Blog-Eintrag von letzter Woche eingeräumt.
Gerne machen wir heute davon Gebrauch - und würden uns freuen, wenn wir auch zukünftig in einem sachlichen Dialog mit ihnen bleiben dürften.

Im voran genannten Artikel haben Sie die Situation des VfL und der Bundesliga in der jetzigen Corona-Pandemie beschrieben. Sie sprechen dabei sehr direkt und unmissverständlich einige Dinge an, die der Fußball im Rahmen seiner gesellschaftlichen Rolle in naher Zukunft hinterfragen muss. Wir stimmen ihnen zu, dass der Eventcharakter und die Finanzdimensionen, die der moderne Fußball angenommen hat, zum Nachdenken anregen sollten, wenn nicht gar müssen.

Wir möchten aber auch auf einige von ihnen kommunizierten Thesen eingehen. In ihrem Text sagen Sie u.a.: “Der VfL Bochum schreibt gerade seine 7000 Dauerkartenkunden an und bittet Sie, auf die Rückerstattung des Geldes für 4-5 Heimspiele zu verzichten.” Jedoch haben wir zu keinem Zeitpunkt unsere Dauerkarteninhaber aufgefordert, auf ihnen zustehende Rückzahlungsansprüche zu verzichten. Ganz im Gegenteil, dieser Anspruch wird von uns vollumfänglich respektiert. Eine Kommunikation diesbezüglich ist für Mai geplant.

Der Wunsch, Geisterspiele anzubieten, wurde von den Fans an uns herangetragen. Diesem kreativen sogar national viel beachteten Wunsch haben wir sehr gerne entsprochen, auch weil wir dies als starkes Zeichen der Solidarität sehen. Der Aufruf, Merchandising-Artikel zu kaufen, um damit den Verein zu unterstützen, kam ebenfalls direkt von unseren Anhängern. Auch dies freut uns- Wir selber haben jedoch bewusst von Aufrufen dieser Art abgesehen -und zwar genau aus jenen Gründen, die sie in ihrem Blog ausführen!

Betreffend zum Thema “Kurzarbeit” ist es uns ein Anliegen, auf die entsprechende Pressemitteilung hinzuweisen. Darin wird explizit erwähnt, dass der VfL Kompensationszahlungen an seine Mitarbeiter leistet, um den monatlichen Gehaltsverlust sozialverträglich aufzustocken. Zudem überprüfen wir die Situation fortlaufend, um diesen Zustand für die Mitarbeiter nicht länger als notwendig anhalten zu lassen. Unsere Leitlinien sind auch die gleichen, wie Sie in ihrem Artikel einfordern.

Es ist uns daher wichtig zu betonen, dass wir - trotz der immensen Kommerzialisierung im Fußball - die Werte des VfL erhalten wollen. Der VfL ist vieles: Traditionsverein, Wirtschaftsbetrieb, eine Institution in der Stadt, im Herzen seiner Fans verankert. Der VfL ist nur einer von neun Clubs, die seit nunmehr 55 Jahren permanent in einer der höchsten deutschen Spielklassen angehören. Wir wissen also um die Bedeutung dieses Vereins - und von Kontinuität. Dazu gehört auch, dass wir uns verstärkt dem Thema “Ehemaligen-Management” zugewandt haben, um die Vereinslegenden wieder enger an den VfL zu binden. Darüber hinaus stellen wir Überlegungen an, die Fan- und Stadionkultur in Bochum jeweils über den Spieltag hinaus erlebbar zu machen.

Lieber, Tom MacGregor, unsere Positionen scheinen überhaupt nicht konträr zu liegen. Es geht uns allen darum, den Verein sicher und seriös durch die Krise zu führen. Dafür arbeiten wir unablässig, und dazu tragen die Fans ihren Teil bei. Eine kritische Auseinandersetzung über das Vorgehen oder einzelne Maßnahmen, wie von ihnen ausgelöst, gehört dabei ganz einfach dazu. Deshalb möchten wir uns abschließend nochmals für die Möglichkeit bedanken, gewisse Dinge zu präzisieren und Missverständnissen vorzubeugen .

Wir wünschen Ihnen weiterhin alles Gute. Bleiben Sie gesund und passen Sie auf sich auf.

Glück Auf!

VfL Bochum 1848 GmbH & Co. KGaA

Ilja Kaenzig Sebastian Schinzierlorz
(Unterschrift) (Unterschrift)
Sprecher der Geschäftsführung Geschäftsführung

System error

21. April 2020

Der VfL Bochum schreibt gerade seine 7000 Dauerkartenkunden an und bittet sie, auf die Rückerstattung des Geldes für 4-5 Heimspiele zu verzichten. Covid 19 bedeutet auch für Fußballvereine eine Krise neuer Dimension. Bis dato gab es drei VfL-Heimspiele, die ausgefallen sind. Heidenheim, Kiel und St Pauli wären im Ruhrstadion gewesen mit ihren Gästefans, dazu kommen noch weitere Heimspiele wie Fürth bis zum 9. Mai; der treue Fan schaut in die Röhre (auf Sky/DAZN?), weil er Leistungen bezahlt hat, die er nun nicht erhält bzw. nur im TV erhalten wird. Als reiner Kunde könnte man salopp sagen, er ist gefickt. Aber Fans opfern sich gerne für ihren Verein (ich bin so ein Moron), malen Choreos, rufen auf, spenden Geld, reisen viel, machen kostenlos Werbung und sollen nun erneut die mögliche VfL- oder KSC-Insolvenz verhindern. Das erinnert mich an die Kindheit, wo Wüst uns Fans um unsere Sparschweine bat (besser den Inhalt), um den drohenden Lizenzentzug zu verhindern. Das mag über 40 Jahre her sein, ist aber noch im Kopf. Wir Bochumer, wir haben das damals gemacht.

Aber AGs wie Bayern und Dortmund haben mit ihrem Millionen Heer an Fans und Konsumenten eine andere Situation als wir kleinen Bochumer und wollen ab dem 9. Mai wieder durch Geisterspiele viel Geld einnehmen. Firmen sind so, Fußballvereine sollten anders sein, daher bitten Clubs der Dritten und Vierten Liga um Abbruch der Saison 19/20.

Viele VfL-Fans legten Freitag den Server lahm und bestellten über 7000 Trikots in schwarz, um mit ihrem Club in der Corona-Not zu helfen. Ok, das Dress sah auch gut aus, aber es war dennoch ein Akt der Solidarität der Bochumfans mit dem Verein. Während nun selbst viele Fans in Kurzarbeit sind, Familien Einbußen drohen, Gastronomen um ihre Existenz bangen, Künstler bluten, verzichten Leistungsträger wie Sesi und Eisfeld also grade mal auf 10-15 % Prozent ihres Gehaltes - und man hat so den Eindruck, als solle man das noch als “große Geste” feiern. Da stellt man sich nicht nur als Altkommunist die Frage, haben die noch alle Tassen im Schrank?

Und nun soll man nochmals auf 4 mal x auf das Eintrittsgeld verzichten, Solitrikots ordern und dem VfL helfen, über den Sommer zu kommen, als ob es auf dieser Welt nicht objektiv wichtigere Dinge gäbe, als verkürzt, Spitzenverdienern in Kurzarbeit (damit meine ich die Profis aus der 1. und 2. Liga) “die Geldtrockenheit dieses Sommers 2020″ nicht zu heiß werden zu lassen und indirekt denen den hohen Verdienst zu sichern. Klar, es geht um den Verein, aber die Hauptkostenträger sind die Profis,

Herr Held vom FC nennt dies jetzt vermutlich “Populismusscheiss”, dass ich im Endeffekt den Spielern ihr Luxusauto neide. Nein, das ist leider nicht so leicht, goldene Lambos find ich kacke. Natürlich muss man bei “Apachen” wie Abumeyang und seinem BAT-Nobelhobel besonders kotzen, wenn man in der Dortmunder Nordstadt als BVB-Fan wohnt, aber auch der “erdige” Hummels ist ja Einkommensmillionär - und auch ein Simon Zoller wird beim VfL nicht mit Essensmarken bezahlt. Und Bella Kotchap rennt zu diesem BVB gegen Gladbach und findet das toll.

Da stellt sich selbst bei nibelungentreuen Fans die Frage nach der Gewichtung der Solidarität und nach dem Sinn, ab dem 9. Mai Geisterspiele zu akzeptieren, auf Rückerstattung zu verzichten und als bescheuerter Konsument noch Pappgesichter auf dem Nordpark aufzustellen. Dümmer geht’s nicht, auch wenn Gladbach auf dem Feld ja Leistung bot und im ersten Geisterspiel gegen Köln gewann. Aber war das nicht grausam? Hab reingezappt und schnell wieder aus gemacht: Horrorveranstaltung fand ich vor dem TV, wo sonst Emotionen regieren.

Haben die Vereine, die gerne auf so Produkte wie RB, so Clubs wie Hoffe, Werksvereine wie Lev oder WOB herabgucken, sprich Schalke, Köln, Werder, HSV, VfB oder eben auch unser VfL, ihre eigene Bodenständigkeit nur vorgespielt, um dann wieder so “verschwenderisch” weiterzumachen wie vorher auch? Hertha zahlt aktuell 5 Trainergehälter, Windhorst machts möglich. Wo ist die Solidarität vom “Arbeiter- und Mitgliederverein” Schalke, wenn Oberhausen oder Aachen in der 4. Liga insolvent geht, wo fast jeder Schalker Spieler so viel Geld verdient, wie der gesamte RWO-Kader? Soll man dann für Schalke spenden, damit die reichen Spieler reich bleiben oder ist das schon “Sozialismus” oder eine “von ewig Linken” geführte Debatte. Oder ist das schlicht der normale Menschenverstand? Die Frage nach dem Sinn vom Manus 20 Mios-Forderung mag Populismus sein (und das zu “flüstern” auch), berechtigt ist sie aber allemal, vor allem in Zeiten, wo man von Fans - und Kunden - gleichermaßen Geld fordert, genau wie vom Fernsehen.

Aber diese, von manchen Leuten als dt. Neiddiskussion gesehene Fragestellung - nach dem Sinn der immensen Höhe der Gehälter der Spitzenspieler von Reus bis Plea - vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Verwerfungen a la Corona beim Fanvolk - ist geneigt den dünnen Kitt der Fansolidarität platzen zu lassen. Das ist nichts Neues, spitzt sich aber zu.

Ist das nicht doch sinnvoll, dass nach Corona 2020 die Gehälter im Spitzenbereich des Profifußballs runtergefahren werden, damit man wieder - zumindest im Ansatz -erkennen kann, was der Volkssport Fußball bedeutete? Das ist ein Grenzbereich, in dem der Profifußball nach 30 Jahren Boom lebt und die DFL und die Clubs sind gut beraten, das Rad nicht weiter zu überdrehen und hier auf die Kritiker zu hören, die diese Auswüchse im Namen ganz vieler anprangern.

Die Vertreter einiger Ultragruppen und andere Einzelfans fordern den Abbruch der Saison und die Liga steuert ab dem 9. Mai auf Geisterspiele zu, deren sportlicher Wert Neuland ist. Im schlimmste Fall steigt Bochum sportlich ab und fährt in die 3. Liga ohne Zuschauer im September 20. Das wäre ein Alptraum, den die Fans gerne bereit sind zu verhindern, aber nur das Geld der Fans nehmen, Kurzarbeit bei der Geschäftsstelle, 10% weniger bei Team, das kann nicht DIE finale LÖSUNG sein an der Castroper Strasse, oder?

Ist noch die Frage, was hat eigentlich eine Ausgliederung 2017 uns geholfen, diese Krise zu überstehen? Die VfL Bochum KgaA bittet nun letztendlich doch wieder wie der alte Verein ann0 1982 um unser Geld!

Ich bin breit all dies zu tun (und habe es schon getan), Rückerstattungsverzicht, Geisterspielspende, Trikot und und und. Aber irgendwann ist auch gut. Ich bin für weiteren Gehaltsverzicht der Spitzenverdiener im Verein, und wenn das Populismus und Sara Wagenknecht sein soll, dann bitte schön, aber Herr Lindner ist eh Dortmunder und kann ja Aktien seines Clubs kaufen, wenn er möchte, ich bleibe immer noch nicht Fan eines außer Kontrolle geratenen Fußballmarktes, der nur noch das Geld anbetet.

Das Problem beim VfL ist ein Doppeltes: Gerade wieder etwas beruhigt nach der Ausgliederungsdebatte, dazu schlimm sportlich erfolglos unter Sesi/Reis, droht nun der wirtschaftliche Coronatod, wenn die Fans nicht wieder spenden. Da sagt so mancher, es reicht, macht euren Mist alleine.

Aber für den VfL Bochum gilt eben auch, das Maximum an Verständnis ist bei der Masse der Fans vermutlich erreicht und nicht nur bei den Unbequemen bleibt ein fader Beigeschmack und wenn ihr mich als Kunden bittet, dann sollt ihr auch nur den Kunden bekommen.

Tom, Kundenservicecommando 1993

still
Tom;CB`93

Das Virus und der Hase

9. April 2020

Seit dem Spiel in Darmstadt 98, dem taktischen 0-0, ist viel passiert in der Welt: die Pandemie frisst Menschenleben-, Wirtschaftsleben und unsere Planungen, die guten wie die schlechten. Die Welt ist nach Ostern 2020 vermutlich eine andere als vorher, nur der VfL ist immer noch 15. der Tabelle, der Spielbetrieb ruht seit Wochen und keiner weiß, ob die Fußball-Pause bis zum 30.4. endet - oder ob es bis zu möglichen Geisterspielen im Mai oder Juni “nur” unterbrochen ist - oder ob die Saison 19/20 - wie in Belgien geschehen- komplett abgebrochen werden muss.

Die UEFA droht zwar den großen Verbänden und Ligen, nicht dasselbe zu tun wie der Verband aus Brüssel, aber Deutschland ist eben auch nicht hart wie Weißrussland, um den Ligabetrieb ab 1.5.2020 wieder aufzunehmen, fast als sei nichts gewesen im März und April. Hopp hat plötzlich den Schlüssel gegen das Virus in der Hand und ist nicht mehr der Buhmann, das scheint der sehr oberflächliche Wandel zu sein!

Naja, es gibt schon Trainingsstarts in der Fußball-Bundesliga (in Zweierteams mit angeblich 1,5 Metern Abstand, wers glaubt); es gibt mageren, freiwilligen Gehaltsverzicht der Profis (Bochum 10-15%) und Liverpools Elite wollte zunächst auf garnichts verzichten. Das war einen Shitstorm wert und zeigte, wie wenig Championsleague erdig ist. Da handeln ehemalige Arbeiter-Clubs wie BVB (Watzke) und Liverpool (Klopp) in der Öffentlichkeit gerne, als wären sich noch kleinbürgerlich, normal und bodenständig, aber im Grunde genommen haben die Spieler-Exzentrik-AGs wenig mit dem theoretisch postulierten Grundprinzipien des Sportsgeistes zu tun. Sie sind halt AGs und müssen Geld verdienen wie ihre Geldgeber. Sie sind dem oft entgegengesetzt, was die Fans leben oder besser, was sie sich erträumen.

Und an der Castroper gab es seit dem 4-4 am 1. März gegen SV Sandhausen kein Heimspiel mehr. Heidenheim war erst ein Geisterspiel, fiel dann bis auf weiteres aus - wie das Heimspiel gegen die Störche. Man hätte auswärts in Karlsruhe gespielt, in Nürnberg zu Ostern, eigentlich würde hier der Vorbericht zum Club stehen. Was von den geplatzten Träumen der Glubberer, was von dem 0-1 vor drei Jahren in Nürnberg, was von der Butternudelaffäre mit Bastians. Alles ist irgendwie anders 2020, wo selbst der Papst alleine ist und die Ostermesse zelebriert. Ob der Hase Sonntag mit Mundschutz anhoppelt?

Wir sind als VfL immer gerne zu Ostern angetreten und mitgereist. Oft hat man sich auch dem Abstiegssumpf gezogen, das geht jetzt nicht. Ich habe wie viele VfL-Fans zwar Zweifel, dass wir die letzten 3 Spiele 9 Punkte geholt hätten, aber das hätte den VfL nicht so bedroht, wie es jetzt eine lange Spielpause tut. Keine Zuschauer, keine Fernsehgelder und auch die Sponsoren könnten Geld zurückfordern, was ihnen sicherlich auch fehlt. Kneipiers und Restaurants sind zu, keine Hotels, die Auswärtsfans beheimaten und noch viel mehr ruht. Die ganze Lage ist so neu, anders und dramatisch, dass man die Hiobsbotschaften rund um die Proficlubs irgendwie entfremdet anstaunt. Dabei macht man sich ja neben anderen eigenen Sorgen ja immer noch Gedanken um die Castroper Straße 145. Was ist mit dem Umbruch nach dem Umbruch nach dem Umbruch? Sind wir nun sportlich gerettet, kann Reis aufatmen? Ist nach dem Saisonabbruch die Planinsolvenz wie beim KSC, was Bochum blüht? Muss Sesi mit Kaenzig den VfL retten, der ja seit 2018 eine KGaA ist? Springt die Sparkasse oder Villis ein, wenn der VfL kurzfristig Geld braucht?

Gibt es 2020 kein Heimspiel mehr mit Fiege und Wurst im Wohnzimmer? Ist das übliche Treffen mit Freunden im Block A nur noch eine Erinnerung wie die Bundesligazeit (bis vor 10 Jahren)? Das könnte ein Alptraum sein, der nicht so weit von dem Weg ist, was bald normal sein könnte, wenn der Exit sich zieht.

Plan der Liga (DFL) ist ab Mai in kurzer Taktung im Geisterspielmodus die Serie zu Ende zu spielen, also hat Bochum dann den Wehen-Wiesbaden Modus und muss damit drinbleiben. Wie haben unsere Profis die Pause verkraftet, wie der Gegner. Das ist schon hoch hypothetisch und es wird noch schräger, weil man ja auch nicht weiß, wird alles nach hinten gezogen, oder nur die 4-5 verpassten Spiele in die Restserie eingeordnet oder angehängt. Wie sehen der Plan B und C aus und wie macht die Politik mit, wenn Bremen anders handelt als Wolfsburg in Niedersachsen.

Jede Antwort wirft noch mehr Fragen auf, wenn Politiker, Virologen und Funktionäre sich die Bälle zuwerfen. Eins ist sicher, das Heimspiel gegen Pauli am weißen Sonntag und das Spiel in Osna kann man auf Fifa 20 vorspielen, man kann zum Ruhrstadion oder zur Bremer Brücke fahren, das echte Feeling ist schwer zu ersetzen und wir brauchen es. Aber noch mehr brauchen wir unser Leben.

Wir sehen und bestimmt wieder, leider weiß keiner wann.

Passt auf euch auf und bleibt gesund. Nicht nur Ostern und Pfingsten, sondern das ganze Jahr. Es gibt eben nicht nur den VfL.

Tom,CB`93

Hui Buh

12. März 2020

Im Jahr 1399: Ritter Balduin flunkert beim Kartenspiel und fliegt auf. Als sein Gegner ihn gerade erstechen will, schlägt ein Blitz ein und Balduin verwandelt sich in das Gespenst Hui Buh. Seither lebt und spukt er - als inzwischen einziges behördlich zugelassenes - Schlossgespenst im Schloss Burgeck. 500 Jahre lang hat er seine Ruhe.

Bei uns spukt es nicht, das Ruhrstadion ist ja erst 40 Jahre alt, keine 500 Jahre - außer die Toiletten. Es spukt nicht mal auf Burg Blankenstein. Doch in Bochum haben wir nun am Samstag ein Geisterspiel gegen Heidenheim, der gesamte Spieltag hat was von der Hui Buh Hörspielkassette der Achtziger Jahre - leicht gruselig. Aber man muss es jetzt so nehmen, wie es kommt. Erst die Auseinandersetzung mit Herr H., nun Corona, der Abstiegskampf, in dem der VfL steckt, wird auseinandergewirbelt.

Der VfL muss am Samstag gegen Heidenheim teilweise auf die Einnahmen und die verbale Unterstützung der 15.000 Fans verzichten und es wäre mal wieder ein Heimspiel an einem Samstag gewesen, das erste seit November. Das ist schade. Seit Dezember hat man nicht mehr im Ruhrstadion gewonnen, das muss Samstag nun ohne Publikum erfolgen. Auch das wäre mit den Fans in der Ost und anderswo schwer geworden und es wird nun nicht leichter durch den Publikumsausschluss, den letztendlich das Gesundheitsamt anordnet. Und nun müssen Reis, Sesi und Co versuchen das Beste draus zu machen.

Die Bochumer müssen den Bock umstoßen und Samstag gewinnen. Gegen den vierten der Tabelle, das Team von Frank Schmidt wird das schwer genug. Und dazu ist Kleindienst so gut in Form, dass er immer trifft, gefühlt. Auf den müssen Lampo und Leitsch gut achten oder eben Decarli, je nachdem wen Thomas Reis aufstellt in der IV. Das wird wichtig gegen die starken Würtemberger.

Die Geisterkulisse bewirkt, dass man die Commandos der Spieler und Trainer zu hören sind, das Ganze ist ja ungewohnt, fühlt sich an wie ein Testspiel ohne Zuschauer oder wie was im Trainingslager. Das ist natürlich vor der Bedeutung für den VfL gefährlich. Man ist zwar dreimal ungeschlagen, hat aber zweimal remis gespielt, ein drittes Remis oder eine Heimniederlage würde das Team in eine gefährliche Situation bringen.

Also müssen Reis und Butscher die Mannschaft so vorbereiten, dass sie gegen einen konterstarken Gegner ohne Unterstützung die Ruhe bewahren und die Handbremse in der Offensive schnell lösen. Durch Corona oder Fanproteste verschwinden die Probleme des VfL nicht, außer die Saison würde abgebrochen, was zZ noch in den Sternen steht. Das schnelle Umschalten, die Kosntanz und das Angriffsspiel ziehen sich als Defizite wie ein roter Faden durch die Saison.

Wenn man das in einem Spiel hinten perfekt macht, dann holt man ein 0-0 gegen Darmstadt. Wenn man das vorne ganz gut macht und nach hinten pennt, holt man ein 4-4 wie gegen SVS. Thomas Reis kriegt das seit 7 Monaten zwar hinten Einstellung und Defensive zu mobilisieren, nach vorne bleibt sein Plan vage, Tom, Silvere, Thomas und Simon sind selten konstant gut. Gibt es Probleme im Team, fehlt der Plan, stimmt es zwischen Co und Trainer, dass alles sind die Fragen, die wir uns für Samstag stellen.

Heidenheim muss siegen, um nach oben zu kommen und das werden sie in Bochum anstreben, Reis sagt dann gerne auf der PK, wir wollen nichts ins offene Messer rennen. Die drei Sechser werden - gegen meine Überzeugung - ein Wort gegen die Ostalbler sprechen. Aber diesmal schauen die Leute ja über Sky zu und holen hoffentlich nicht ihr Eintrittsgeld zurück, ein Loch von 500.000 pro Heimspiel droht.

Daher hier in eigener Sache:
Der Fan Club Commando Bochum 1993 schließt sich dem Aufruf von Verein und vieler VfL- Fans an, wünscht sich weder Rückerstattung für das Spiel gegen Heidenheim (ca. 22 Dauerkartentix haben wir) noch eventuell für weitere Geisterspieltickets in Zukunft 2020.

Einige von uns werden noch weitere -sogenannte einzelne - Geistertickets erwerben und wir alle hoffen, dass der VfL finanziell und sportlich durch die schwierigen Monate bis Mai 20 kommt.

Alles für den Verein, wir bleiben drin

CB’93

Mein Tip für Samstag:

Die ungewöhnliche Situation, tippe ich, schadet eher dem kampfbetonten Spiel des VfL, das sich ja aus der Anfeuerung speisst, als dem fitten FCH. Daher befürchte ich eine 1-2 und Kleindienst schlägt zu, bei uns Silvere. Leider verlieren wir dieses pro forma Heimspiel.

Daten von VfL4u:
Samstag, 14.03.20, 13:00 Uhr, Vonovia-Ruhrstadion

Schiedsrichteransetzung wird nachgereicht, Hauptsache nicht Pfeiffer aus Hameln ;-) )))

Hinspiel: FCH - VfL 2:3 (06.10.19; Leipertz, Schimmer; Zoller, Blum, Ganvoula)

Bilanz: Gesamt 6-2-4, Heim 3-1-1

Voraussichtlicher Cast:
VfL: Riemann - Gamboa, Lampropoulos, Leitsch, Danilo - Tesche - Losilla, Janelt - Osei-Tutu, Ganvoula, Zoller (Blum)
FCH: Müller - Busch, Mainka, Beermann, Föhrenbach - Dorsch - Schnatterer (Leipertz), Griesbeck, Kerschbaumer (Theuerkauf), Mohr - Kleindienst

Die Renaissance des Dixi-Klos

7. März 2020

Darmstadts Merck-Stadion ist zur Zeit eine Baustelle und als Gästefan ist man im Block X1 oder X2 untergebracht und hat eine echt lange Fußstrecke zum Ziel. Zum Gästeblock muss man vom Parkplatz Uni Campus Lichtfeld (heute PKWs/6 Busse) lange laufen und war dann mit 1200 Glaubensbrüdern im Chor vereint. Die Stimmung war jut heute. Bochum macht auswärts wieder extrem Bock - seit ich in Bielefeld einen persönlichen Tiefpunkt hatte. 0-0 klingt zwar immer doof, war es aber nicht. Das Remis ging ok und so bleibt D98 10 Spiele ungeschlagen, die Bochumer immerhin 3 Auswärtsspiele in Serie. Der VfL hatte vor 15.000 Zuschauern im Blechpalast Merck-Böllenfalltor nur 2 Minuten zu überstehen, um sich zu sammeln und stand dann 90 Minuten wie eine Eins, für mich das erste Mal in der Saison. Man konnte durch den grippebedingten Ausfall von Decarli mal endlich den neuen Griechen begutachten und der wirkte es sicher, balltechnisch stark, robust und er und Leitsch waren Dursun ständig auf den Fersen.
Bochums erste große Chance hatte Blum, aber er verzog links unten, knapp vorbei. Schade, das 0-1 wäre ein Icebraker gewesen, aber Bochums drei Sechser machten den Lilien die Arbeit schwer und umgekehrt hat Grammozis eine defensive Grundordnung und Verschieben so internalisieren lassen, dass Bochum sich ebenfalls schwer tat.
OT hatte wieder einen echten Sahnentag und konnte sein können zeigen, das Zusammenspiel mit Ganvoula wird immer besser. da geht noch mehr. Er war immer nur von zwei Gegenspielern zu stoppen, genau wie Soares hinter ihm kaum zu fassen. Die rechte Seite war heute echt stark. Mit dieser Leistung von heute, hätte man die Sandhäuser 4-1 besiegt.

Einen Elfer gab der ansonsten sehr starke Schiri kurz vor der Pause nicht, Janelt forderte ihn leidenschaftlich, 1200 Bochumer wollten ihn auch: Ansonsten zeigte der Mann an der Pfeiffe mit seinem Team, wie es geht. Uneitel, mit den Spielern redend und dann und wann ne Gelbe, meist zu recht.

0-0 stand es zur Pause und natürlich kam Darmstadt nun, aber Bochum stand bis zum Ende stabil und die 2-3 Kopfbälle gingen vorbei. Riemann musste nicht soviel eingreifen wie sonst. Wenn man überlegt, dass Bella Kotchap ua. von Chelsea umworben, noch garnicht spielt eaußen gegen Bayern, als Möglichkeit neben Leitsch oder Lampo, dann wird es für Fabian und Lorentz schwer. Und Reis hat die Wahl.

Thomas wechselte heute nur einmal, der angeschlagene Blum raus und den agilen Zoller, der etwas übermotiviert im Abseits stand. Nun gab es nochmal Chancen durch Janelt und ein Riesending durch Silvere, der einfach den besser positionierten Mitspieler übersah. Aber Reis machte heute, wie in Dresden, alles richtig.

Das 1-0 von Darmstadt hätte ebenso fallen können wie am Ende das 0-1. Nichts von beidem passierte, Bochums Anhang war zufrieden. Man hatte ein Transparent gezeigt, ich weiß nicht draufstand. Man hatte gefeiert, man konnte Pfungstädter trinken, man nahm einen Punkt mit.

Am Ende kam man an den Dixies vorbei, das meiste findet da ja im Darm statt. Ach kommt, der musste sein. Oder, genau wie der Ouzo im Kaffee vor dem Spiel…

Tom, CB`93

P.S.: Grüße an Fan des Tages, Martin B., von Hamburg angereist 4,5 Stunden hin, 4,5 Stunden zurück, 110 Euro, alles für den Verein, so sind die Bochumer —
und Akki sowie Tete

Ein Grieche, der weiterhilft

4. März 2020

Vasileios Lampropoulos saß gegen Sandhausen zum ersten Mal auf der Bank. Ob mit ihm das 4-3 oder 4-4 verhindert worden wäre, fraglich, obwohl Decarli (4) oder Leitsch (4,5/Kickernote) auch nicht so rockten, laut Kicker. Was macht eigentlich der bei A-Jugend aushelfende, verletzte Bella Kotchap, der uns erst helfen wird, wenn wir ihn zwei Jahren an einen Bundesligisten verkaufen? Wie uns Zulj weiterhelfen soll, denn Reis dafür den Stoßstürmer rausnimmt, bleibt Geheimnis des Trainers, genauso wie die Herrausnahme von Blum für den Applaus. Es soll ja da auch Probleme in der Teamintegration geben. Aber hey, Lee ist weg, Zulj ist da, das ist der aktuelle Zustand. Der Trainer versucht das Beste zu machen aus der stückwerkhaften Verpflichtungspolitik. Ja, wie Reis in Dresden vieles richtig machte, machte er gegen abwehrschwache Sandhäuser viele Wechselfehler am Ende. Er spielt auch gegen solche Truppen immer mit drei Sechsern, wobei Losilla zZ die schlechteste Form hat (Tesche und Janelt haben ihre bekannten Mängel), Konsequenz keine. Die drei Sechser sind optisch ein Supergau, die Abwehr besser machen sie nicht mal gegen Blinde wie die vom SVS.

Dafür könnte man beispielsweise Zoller bringen, wenn man mehr Schwung und Emotionen nach vorne will. Aber da wird Thomas Argumentation sein, wir müssen hinten dicht machen. Dass das nicht gelang, dazu haben Bochums übliche Schwächen beigetragen, die hier schon breit diskutiert wurden. Dazu kam Schiri Pfeiffer, der nun wahrlich kein Heimschiri war. Zwei Handelfer in 9 Minuten gegen uns, ein klare Rote Karte nicht gegeben, das hat das Spiel am Ende schon klar gegen uns entschieden.

Man stellte sich vor, Schalke hätte gestern gegen die Bayern diese Elfer am Ende gekriegt, was wäre da los gewesen. Das war ja nur Bochum, gegen die der Schiri aus der Nähe vom Konkurrenten Hannover (bei Hameln, Heimatverein BW Tündern), einen Freistoß, der zum Tor führte und zwei Elfer gegeben hat. Sandhausen machte nur 1 von 4 Toren aus dem Spiel, wir immerhin 3. So einen Schiri sollte man beim nächsten Mal ablehnen, wenn der wieder angesetzt wird.

Aber der Blick zurück ist das eine, eine sehr wichtige Chance, eine kleine Erfolgsserie zu starten wurde vertan und die Mannschaft selbst ist etwas frustriert “Wir sind zu dumm zum siegen (kicker)!”.

Kann Reis seinem Gegenüber Grammozis was zeigen, was den ehemaligen Talentwerkkollegen überrascht? Hat Reis viel mehr drauf als nur Zahnbelag oder unterschätzen wir ihn. Was ist sein Konzept, seine Idee vom Fußball außer defensiv? Sehen wir einfach nicht, was Thomas leistet oder sehen wir nur, wie er zwei verschlafene Transferperioden ausbadet? Schauen sich AR und Vorstand Samstag in der Merck-Arena den neuen Bochumer Trainer ab Sommer an, falsch sich der VfL am 17.5 rettet? Und kann Bochum wieder, wie in Wiesbaden und Dresden siegen?

Darmstadt ist 6., Bochum 15., die Lilien seit einigen Spielen in Topform mit Siegen in Serie, der VfL müht sich redlich, aber ein halbes Jahr Reis haben eben nur 1 Punkt pro Spiel im Durchschnitt gebracht. Diesmal wäre es also vom Papier ein Erfolg, spielte man remis am alten Böllenfalltor, das umgebaut wird wie Karlsruhe, Aue und Wiesbaden.

Die Lilien haben dieses Niveau in der 2. Liga halten können, was sie nach ihrer furiosen Rückkehr vor einigen Jahren hatten und stehen stabil. Dennoch will Grammozis nicht bleiben. Was da passiert ist, weiß ich nicht. Ich sehe es als eine Chance für Bochum an, mit so einem Trainer im Sommer neu loszulegen. Aber wie ich denke, wird der Vorstand sich mit einem Merkelschen “Wir schaffen das!” weiterwurschteln mit Sesi und Reis.

Der VfL ist positiv gesehen zwei Spiele ohne Niederlage und sollte, wenn sie in dem defensiven 3 Sechser-Konzept starten, zumindest die Mitte dicht machen. Die Frage wird sein, spielt Weilandt oder Zoller oder ganz defensiv mit Zulj. Doch wenn Bochum gegen halbstarke Mannschaften spielt, reicht das nicht, man verliert oft knapp. Das steht auch dieses Mal bei den Lilien zu befürchten, so wie wir Ostern 2015 da 2-0 verloren haben, in einem ähnlichen Stil. Aber es gibt auch gute Erinnerungen, wie das 1-2 vor 2 Jahren in der Stadt der Wissenschaft mit Sam, der jetzt Altach rockt. Letztendlich ist statistisch unsere Bilanz bei den Lilien mies, dennoch werden viele Bochumer hinfahren. Wenn das Wetter gut ist, ist die 272 Km-Strecke gut gemacht, dann hoffe ich auf einen ähnlichen Mob wie nach Wiesbaden. Hessen könnte uns ja liegen.

Übrigens, wenn jemand nicht dabei ist Mazee2 auf Youtube gibt immer schöne Stadionimpressionen wieder und das ist lebendiger als nur RS oder Philip Rentsch lesen, gebt euch das mal. Dazu kann man vor Heimspielen, Heidenheim ist die nächste harte Nuss im Ruhrstadion, mit den Jungs von Fan for Fans coole Interviews vor dem Fanshop zum Spieltag machen. Das heißt bei Social Media, auch bei der Abteilung des VfL, tut sich viel Gutes in Sachen Innovation. Viele Leute mit pro VfL-Einstellung engagieren sich (auch Gerrit mit seinem VfL-Jesus und dem neuen Film), egal ob es das VfL-Banner der Ultras in Dresden ist, die gute alte ZUZ oder die Fanini, die ja schon lange dabei sind, alle helfen dem VfL gut dar zu stehen. Fehlt noch die Vernetzung, der Verein könnte diese Leute auf einer Plattform zusammen führen und nicht nur Tremark und die 1848-Leute unterstützen, da gibt es viele, die für den VfL alles tun ohne Geld.

Gegen Darmstadt könnten alle fit sein, bis auf Bapoh, dazu ist Lee als offensive Alternative weg. Thomas Reis hat nun die Aufgabe gegen zwei unbequeme Verfolgerteams seine festgefahrene Defensivtaktik so zu modifizieren, dass man in beiden Fällen überraschend punkten kann.

Ich habs nicht vorgespielt auf Fifa, aber mein Gefühl sagt mir, 2-1 für SVD98. Ich hoffe, ich irre mich.

VfL: Riemann — Gamboa - Decarli -Leitsch, Danilo -— Tesche ,Janelt ,Losilla — (Zulj), Zoller, Blum (Weilandt) – Ganvoula (Wintzheimer)
Darmstadt 98: Marcel Schuhen -Patrick Herrmann -Dario Dumic-Immanuel Höhn -Matthias Bader -Victor Palsson -Yannick Stark -Marvin Mehlem -Mathias Honsak - Serdar Dursun

Tom,CB`93

P.S.: Denkt daran, es gibt für die Auswärtsfahrten nach Darmstadt und Karlsruhe Support vom Verein, Danke an Marwan für das Schadensregulationskümmern von Wiesbaden

Ich bin der Sohn meiner Mutter

2. März 2020

Die Wellen der Empörungen nach dem Hoppgate am Wochenende schwappen immer noch hoch im bundesweiten Medienwald und ich versuche mal kurz „was zu schreiben“, wo der VfL Bochum am Rand vorkommt. Das wird schwer genug, das Probleme und wenig VfL. Wie sagte Hopp so schön „Wenn ich nur wüsste, was die Idioten wollen?“ Vielleicht trägt der Artikel ja dazu bei, dass Dietmar Hopp die Fußballwelt begreift, denn das ist das größte Problem eines sonst schlauen und erfolgreichen Menschen: Die Welt der Fans ist dem EX-SAP Vorstand auch nach über 20 Jahren fremd geblieben und sein ungeschicktes Reindrehen in den Konflikt mit den BVB-Fans seit 2008 führte jetzt zu der Eruption der Proteste gegen die Wiederaufnahme der Kollektivstrafe des DFB. Gladbachs Ultras starteten, dann die von Bayern und Dortmund, danach Köln, Union, Bochum, MSV und weitere könnte jetzt im Pokal folgen oder am Nächsten Ligawochenende. Sogar bis Rapid Wien sind die Wellen des Virus geschwappt. Ach ja, RB hatte gegen Bayer Leverkusen eine bezahlte, bunte Choreo für mehr Vielfalt, gut gemeint ist oft nicht gut gemacht. Hier zeigt sich der Kern der allseitigen Heuchelei.

Nachdem nun Montag viele wirklich unkundige Kommentare durch etwas mehr Sachkundigkeit (nicht mehr wahr oder falsch verwechseln) in der Fußballszene ersetzt wurden, kommt es demnächst vielleicht zu ersten Änderungen und Ansätzen, die wirklich helfen könnten. Wir sind nicht in der NBA oder hier im Basketball, die europäische Fußballszene ist 60 Jahre gewachsen und anders, auch das muss man bedenken.

Dazu müssen Experten von Rummenigge, Streich über Basler bis hin zum Anwalt von Hopp erst mal kurz die Gosh halten, falls man das noch so sagen darf. Nun die Dummheit eines Mario Balser ist so eklatant, dass sie jeden ernsthaften Ansatz zunichte macht. Hat jemand den Namen Thorsten Legat erwähnt? Dann kommt Streich, der telegene badische Traineröko, der fährt gerne mit dem Porsche durch Freiburg und will den berühmten „Aufstand der Anständigen „und sieht das Dritte Reich in Zusammenhang mit der AfD (okay, das geht noch halbwegs zusammen) und mit den Protesten der Schickeria, die für ihren Kampf gegen Antisemitismus mit dem Julius Hirsch Preis geehrt wurde. Der Widerspruch bleibt dem Mann aus Freiburgs Idyll unbekannt, auch die Fanszenen der frühen Achtziger. Das war krass damals und rechte Parteien ohne Chance, wo ist also der Zusammenhang. Ich fände einen Aufstand der Nachdenker gut. Die Ultras werden mit den Taten der NSU, dem Mord an Lübke und Hanau in der Hinsicht in die Ecke gestellt, als wäre eine redundante, heftige Beleidigung einer rechtsterroristische Anschlagsserie gleichzusetzen. Da ist Unfug, auch wenn sie Rainer Calmund noch so echauffieren kann. Verbindendes Element soll der Hass sein, aber dann könnte man es mit der RAF, Bin Laden oder David Coresh in Verbindung bringen. Es liegt auf der Hand, dass Wahlen seit 10 Jahren in D und Europa einen Rechtsruck wiederspiegeln, der auf etwas beruht und- und das ist sicher enorm vielschichtig und auch beängstigend, keine Frage. Aber mit dieser Situation, Ultras gegen DFB, hat das zunächst rein gar nichts zu tun. Aber Streich setzt sich auf der PK hin und ist dann der gerne der moralische Ex-Student im Jogger, der Applaus findet, weil sich alles so verdammt gut und bodenständig anhört. Das bleibt also Trashtalk bezüglich des Problems, aber findet viel Applaus. Tönnies, der mit seinem rassistischen Ausrutscher vereinsintern drei Monate gesperrt wurde, stellt sich hin und sagt in der moralinerten Bild mit Toto Legat, dass alles sei „menschenverachtend“, was sich am Wochenende in den (Ultra-)kurven abspielte. Wenn man die Situation der Fußballszene außen vor lässt, mag das so wirken, als Moralapostel kann weder Rummenigge dienen, noch sein Geschäftspartner Hopp, noch der Metzgerausbeuter der Königsblauen Herzen, aber eben auch nicht Gutredner Streich oder der neue Herr des DFB. Das alles wirkt so bigott und verlogen, dass man den Ultras ihre Unflat fast verzeihen möchte.
Denn wie Päpste im Mittelalter können diese Philister des Sports ihre eigene Moral kaum leben, von „Grad der Ehrlichkeit im Negativen“ liegt da der Thüringer Höcke mit seinen faschistoiden Spuk noch vor Tönnies, aber eben auch nur da.
Aber zurück zu den Ultras, die nun diesen Machtkampf mit DFB und DFL führen: sie sind eine Jugendkultur, der man nicht sinnvollerweise mit Anzeigen oder „hartem Durchgreifen“ drohen kann, weil das diese Gruppen nicht so beeindruckt, denn sie haben ihre Gruppenlogik wie Rocker, Modes, Punks oder andere subkulturuelle Gruppen und sind jung, wild und kompromisslos -wie Greta - und sind bei Männern zwischen 39 und 65 nur so semibeliebt, also außer bei Eintracht Frankfurt. Diese Szenen kann man nicht behandeln wie das Essen in der eigenen Familie normalerweise abläuft, da sagt man auch nicht Hurensohn.

In Bochum kam ja auch von den Rändern der Ost und einigen anderen Stellen ein „ein Ultras raus“ und kurz danach „VfL, VfL“. Also, es gibt diesen Konflikt zwischen der Ultras Subkultur und den restlichen Fans und zwischen Leuten wie Ismanik, Kühne, Windhorst, Wernze - und dem Rest der Fans. Manchem ist das sicher auch egal, warum auch nicht. Da haben Hopp und Matteschitz einen Sonderstatus im Negativen, weil ihnen der Fußballstallgeruch fehlt, da kommen sie zu schrägen Vergleichen und ziehen falsche Schlüsse. Statt machomäßig auf das Fadenkreuz zu reagieren, macht Hopp den Gefühlsmenschen (so war er früher im Jobvermutlich weniger) und gibt das milliardenschwere Opfer,“ wie einst in dunklen Zeiten“, wohingegen seine Familienvita eine andere Geschichte erzählt. Aber dann ist er „der Ehrenmann“ für Karl-Heinz und die Ultras kotzen im Strahl (viele andere aber auch) und sind damit die Opfer der Verrohung der Gesellschaft, die beim Fußball aber eben keine Parallele zur Polarisierung der Gesellschaft zeigt, sondern viel reifer ist, als die rauhen Achtziger und Neunziger, wo Antisemitismus, Homphobie und Rassenhass ganz offen gezeigt wurden, in Deutschland, in Italien wie in England, seit es diese Fußballsubkultur gibt.
Will man endlich was tun, muss man erst mal zugeben, nicht alle Probleme der Welt im Fußball auf einmal lösen zu können, sollte reden, wie es Horst Held vorschlug, dann vielleicht die BVB-Kollektivstrafe halbieren und einen knallharten Maßnahmenkatalog vorschlagen, gegen antisemitische, rassistische und homophobe Parolen, die ebenso wie Anti-Hopp-Fadenkreuz-Transparente in dem Dreistufenplan bei allen Clubs ab nächster Saison ähnlich wie einst der VAR neueingeführt werden. Das macht die Welt nicht viel besser, aber mit etwas Coolness und Konsequenz die Diskriminierung im Sport weniger. Es wird Lücken geben und Problemclubs wie BVB, Chemnitz, Cottbus, Lazio Rom oder Legia Warschau muss man sich auch nochmal über die UEFA anschauen.
Dazu muss das Financial Fairplay bei ManCity ebenso eingehalten werden, wie die Arbeitsbedingungen in Katar, all das kann der moderne Fußball auch, aber sicher nicht das Klima retten. Sei der legendären PK von Rummenigge im Oktober, finde ich das er sollte nachdenken beim Ausarten und weniger vom Grundgesetz reden. Das findet sicher auch seine Frau und der Aki Watzke.

Tom

Kartell der Dummheit

1. März 2020

Das 4-4 gegen den FC Homburg (Saar) ist über 30 Jahre her. Damals hat der hohle Legat noch bei uns gespielt und wir hatten auch 4-2 geführt. Ach, hohl sagt man ja heute nicht mehr. Aber genauso dumm kamen sich 13.300 Bochumer vor, als sie nach 84 Minuten noch 4-2 führten - und nach zwei (!) Handelfern gegen sich - das 4-4 kassierten. Unglaublich dumm: Es gab heute viele dumme Meinungen und Kommentare, dumme Gegentore und am Ende einen mickrigen Punkt - nach drei Heimniederlagen in Serie. Reis war enttäuscht und lobte noch fleißig Ehrenmann Hopp, was man seit gestern tun musste, um nicht mit Björn Höcke, Dieter Nuhr oder Ted Bundy in eine Ecke gestellt zu werden; und das zeigt, wie absurd die Situation zur Zeit ist im deutschen Profifußball und der ihn umgebenden Medien. Bis auf Tagesspiegel und WDR 2 verurteilten alle Vertreter der Presse die Anti-Hopp-Plakate von Gladbach, Bayern, BVB und Köln. Thomas Reis konnte auf der Pressekonferenz auch nur die Plakate der UB99 verurteilen und RS sah gar eine Beteiligung der Münchener Ultras. Dass die Plakate hoch gehalten wurden als das 4-2 fiel, sorgte für die Nachspielzeit, die hinterher drangehängt wurde und führte zu weiteren Mutmaßungen des groben Unfugs. Wir sind zu blöd für den ersten Heimsieg seit Hannover.

Dass Bochum nach dem schnellen 2-0 nicht nachlegte, hatte der VfL diesmal sich selbst zu verdanken, das 3-0 hätte man machen müssen gegen “die Sandratten ohne Piratenflair”. Aber das 2-1 fällt halt, wenn man nicht wie gegen VfB und HSV energisch jeden Ball verteidigt, mit einem tollen Sonntagsschuss am Sonntag. Dann hat Bochum die Chance auf ein 3-1, aber wieder vergibt der VfL durch Silvere und als man in die Pause geht, fällt das 2-2 per Freistoß trocken ins linke untere Eck. Bähm.

Da war man auf dem Boden, wobei in Bochum eh keiner abhebt. Gespräche auf dem Klo sind gewohnt ernüchternd und Reis platte oder verunsicherte Truppe, kann zwar keine Führung halten, macht aber das 3-2 durch Danny Blum, was aber keinen lupenreinen Hattrick darstellt, aber immerhin, er ist unser Mann des Tages an der Castroper Strasse. Danke, Danny.

Nun hat Bochum drive und nagelt die seit vier Spielen sieglosen Nordbadener kurz fast an die Wand. Wie beim 2-0 ist Bochum besser, aber die SVSler wehren sich und stehen immer wieder auf. Zwar hat man nie so richtig das Gefühl, der VfL ist safe und macht heute einen Sprung an OSNA ran, aber das 4-2 durch Osei-Tutu gibt uns Sicherheit und dann, gerade beim Tor, heben die Ultras kurz vorher ihre Transparente hoch mit “Ein Hurensohn wird beleidigt, ganz Deutschland ist schockiert, Rassismus an der Tagesordnung nichts passiert!” und hätten eigentlich Applaus verdient. Aber bevor die Leute und der Schiri das Banner lesen konnten, Unterbrechung und “Ultras raus” von den Rändern der Ost. Das hatte auch keinen Mehrwert, aber schnell war alles vorbei und normalerweise hätte niemand über die Lappalie geredet, aber was ist seit gestern noch normal?
Ökokokser Streich sieht das Dritte Reich, die AFD und die Antihoppgesänge in einer Linie, welchen krassen Shit muss man da rauchen? Rummennige nimmt Hopp in den Arm, wie es bei seiner Frau vermutlich schon länger nicht mehr war und nannte ihn einen “Ehrenmann” und alle betonen, wie gemein und verroht die Welt ist und machen das an der ANTI-Hopp-Kampagne fest, die ja eigentlich gegen die Kollektivstrafen geht und nicht um die Person des Herrn Hopp. Aber das will der neue Präsident des DFB nicht hören, statt dessen stellen sich alle hinter den Milliadär aus der Nähe von Waldorf.
Das hindert die Mannschaft aus der Nähe von Heidelberg nicht nach vorne zu spielen und das 4-3 per Handelfer zu machen. 85. Minute und uns geht der Arsch, hätten da auch mal Protest machen sollen gegen die Hoppbeleidigungen, aber nur um die Zeit runter zu spielen, machten wir aber nicht, wieder Elfer, wieder in 94. Minute ein Tor, diesmal durch Türpitz zum 4-4. Unfassbar, das ist der Virus, der Bochum bedroht, keine Führung ins Ziel zu bringen.

Reis schafft es nicht, den bemühten Spielern Dummheiten auszutreiben, wie das doppelte Handspiel oder die generelle Angst vor dem Gegentor und verlieren. Thomas Reis wechselt so ein, dass er zeigt, er will irgendwie das Ergebnis halten. Das strahlt auf die Spieler ab und da kommt sowas bei raus. Frustrierend.

Das Rest ist ein Kartell der Dummheit, das nur Legat toppen könnte- Aber der wohnt bei Reeeehhhhmscheid.

Gruß an die Jungs von Fan für Fans, Thomas und Marlo, Siggi, Matthes und Dämon.

Tom, CB`93

Das Tagebuch des TR

26. Februar 2020

Die mediale Bombe ist geplatzt. Nach Toni Schuhmachers „Abpfiff“ 1986, Franz Beckenbauers „Ich“ - und den berühmten Stern Tagebüchern 1983 - hat kein kurzes Tagebuch die Sportjournalisten mehr entzückt als Jürgen Klinsmanns Aufzeichnungen zu „10 Wochen Hertha BSC“ in Sportbild.
Der Jürgen, er spricht von Jürgen Klinsmann, zieht verbal blank, was er und Altschnösel Windhorst bei „Berlins schönsten Club“ erlebten. Er, der kosmopolitische Weltmann, der König der Sonnyboys aus Schwaben, kam und wollte „das hässliche Entlein zum schönen Schwan“ machen. Das Aschenputtelmärchen dauerte nicht mal drei Monate. „Big City-Club“, das war das Ziel von Klinsmann.
Zusammen mit dem „Wunderkind Windhorst“ aus der miefigen Kohlära zog es ihn von Kaliforniens Stränden an den regenwolkenumsäumten , grauen Wannsee. Nach 10 Wochen - und einer kindischen Reaktion später – steht der Tagebuchschreiber vor den Trümmern seiner eigenen Karriere, in Deutschland ist er nicht erst seit seinen selbstgerechten Enthüllungen erledigt. Jürgen Klinsmann nennt Gagenbauer übellaunig, Preetz inkompetent und er selbst wollte nur helfen, sogar unter Aufopferung seines eigenen Sohnes, der gute Jürgen.
Das Fazit, das Klinsmann zieht, ist ein Albtraum für jeden echten Herthafan: der überalterte Kader, vom inkompetenten Sportchef Preetz und dem übellaunigen Gagenbauer falsch zusammengestellt, wäre ohne ihn und Nouri - sang- und klanglos abgestiegen, das Team unfit zudem, holte unter Klinsmän Punkte wie ein Europaleagueteam und ER wurde nur grundlos hingehalten. Dann schmiss er folgerichtig hin (weil die Carte blank nicht eingelöst wurde) und der Windhorst sitzt nun auf 250 vergurkten Millionen im märkischen Sand. Der Verein vorgeführt als demente, alte Dame und im Abstiegskampf nach unten trudelnd, ist nun ganz alleine in seinem viel zu großen Stadion, sogar ohne Klinsi und Sabine.
Was können wir aus dem Fast-Shakespearedrama lernen? Nun, der Heiland von außen und der Monsterinvestor können noch mehr Chaos ins Chaos bringen als der Pocher in den Wendler oder der in Laura.
Ob Thomas Reis ein Tagebuch führt, ich weiß es nicht, ob Sesi alles mitschreibt, ich bezweifle es und ob Villis nicht besser gelaunt ist? Auf jeden Fall haben wir auch einen bunt zusammengestellten Kader und viele offene Fragen, Dutt hat wie Covic vieles offen gelassen und nun muss man schnell das Gröbste zusammenkehren.
Bochum ist nicht Berlin, aber eben auch nicht Sandhausen, wo die Provinz sich immer recht wacker gegen den Abstieg wehrt. Die Nordbadener sind noch nie aus der zweiten Liga abgestiegen, aber verlieren sie am Sonntag, müssen sie fortan kleinere Sandburgen bauen. Vielleicht nicht mehr bei Gerry Ehrmann im Garten, aber beim FCK, aber das ist wieder ein anderes Thema.
Fakt ist, Bochum siegte beim SGD trotz oder wegen seiner defensiven Grundausrichtung und erzielte einen enormen Wirkungstreffer. Nicht nur nach dem 1-0 durch Ganvoula, vor allem nach dem 1-2 durch Janelt, war ganz Dresden klar, nur noch die Relegation ist unser Ziel. In der Dresdener Presse spiegelte sich die Enttäuschung wieder, mittelmäßige Bochumer waren zu stark für Dresden, man hatte mehr Fehlpässe, technische Mängel und weniger Zweikämpfe für sich als die Gäste aus Westfalen und Reis Coaching zeigte an diesem Tag Wirkung.
Doch was heißt das nun gegen den SVS? Die haben in vier Spielen null Tore erzielt und viermal verloren. Die bringen 100 Fans mit und werden kratzen und beißen, eigentlich die Möglichkeit sich für unsere Sahnetruppe zu beweisen. Da fehlen nur Bapoh und der de facto freigestellte Lee (fehlte beim 1-0 Geheimtest gegen Münster) und Reis wird nicht so viel ändern gegenüber den Spielen in Wiesbaden und Dresden, denn Sandhausen ist eben dieses Kaliber, außer Tom Weilandt kommt wieder.
Gegen die Sandhäuser von 1916 ist Bochum zu Hause leichter Favorit, auch wenn Reis nicht von seiner defensiven Idee der drei Sechser abrücken wird, vermute ich mal. Aber vielleicht bringt er ja Zulj statt Janelt oder Tesche.
Aber wir können gegen Koschinats Krisentruppe mit der richtigen Einstellung, Laufbereitschaft und Matchglück erneut siegen, wenn wir so effizient ran gehen wie in den letzten zwei Auswärtsspielen und der Gegner richtig schwach ist und ebenfalls viele Fehler im Spielaufbau macht. Das wäre ein Pfund.

Im Ansatz wird es ein erneut zerfahrenes und nervöses Spiel, Reis ist kein „no concept“-Trainer – wie ein witzelnder Kumpel sagte, sondern er macht das, was sein Kader hergibt. Allerdings ist das nicht die gesamte Wahrheit, denn dann würde er einen Plan B besitzen, wenn sein Team ist Rückstand gerät, das ist bis dato Bochums Achillesferse.
Ich tippe mal Bochum ist leicht verbessert und führt gegen die Schwarz-Weißen vom Hardtwald bis kurz vor Schluss, kassiert aus dem Nichts den Ausgleich. 2-2.
Aber hoffen tue ich auf eine Wiederholung vom Samstag. Der letzte Angriff von links, Flanke rein, Bumm –Ekstase.
Ach, was wäre das schön für mein Tagebuch.

VfL: Riemann — Gamboa, Decarli, Leitsch, Danilo — Tesche (Janelt), Losilla - Zulj, Zoller, Blum (Weilandt) – Ganvoula
SVS: Fraisl - Diekmeier, Kister, Zhirov, Paqarada - Frey, Gislason (46. Gislason), Linsmayer, Biada (64. Türpitz) - Behrens, Engels (64. Scheu)

Tom, CB`93

So einfach

22. Februar 2020

So einfach ist es gewesen, mich total glücklich zu machen. Das sind so Momente, wo es genial ist, VfL-Fan zu sein. Das gilt sicher auch für ca. 20.000 blau-weiße Leute vor dem Fernseher bei Sky und die 550 Leute im S-Block: Die 93. Minute beginnt, Soares passt auf Blum, der flankt scharf rein und Janelt erwischt den Ball mit der Stirn, der Dynamoverteidiger kommt genau so wenig ran wie Keeper Broll- Tor. Erlösender Jubel im Gästeblock, Erleichterung, die Dynamofans hingegen gehen bedröppelt raus aus dem Glücksgasstadion. “Düüüdüüüüdüüüüdüüüünamoooo” hallt es witzelnd und feixend durch den Block und Tonnen von Brocken fallen den Westfalen und ihrem Anhang vom Herzen am närrischen Samstag. Auswärtssieg durch einen Lucky Punch in der Nachspielzeit, ob sich Dresden von dem moralischen Schock erholt, schwer zu glauben. Was dieser tolle Sieg wert ist, sehen wir Bochumer am 1.3. gegen den SVS. Für mich war der Sieg sehr, sehr viel wert, echtes Sekundenglück

Die Spieler der SGD hatten in MoPo in Person von Patrick Ebert “ein Feuerwerk angekündigt”. Das war sehr mutig, denn es war eher das zu erwarten, was man Abstiegskampf nennt und oft Krampf ist. Und davon kriegten 26.900 Fans heute mehr als genug.

Und im Glücksgasstadion startete Thomas Reis im 4-3-3, mit Wintzheimer für den glücklosen Ganvoula, Decarli spielte und das nicht schlecht. Überhaut wurde kompromislos verteidigt. Und während Dresden sich stets bemühte, machte Bochum die Mitte erneut zu, Tesche, Losilla und Janelt standen sicher vor der Viererkette.
Die Abwehr hatte heute ihren Namen verdient, pennt nur einmal beim 1-1 durch Dresden.

Aber das 0-0 in der Halbzeit hatte Bestand, weil Dresden noch weniger nach vorne einfiel als unserem VfL. Die Sachsen hatten oft Ballverluste im Vorwärtsgang, das konnte man auch bei Bochum sehen, aber dafür stellte man schwarz-gelb rechtzeitig vor Riemann. Immer stand ein Weißer vor den Sachsen, die eben wie die Westfalen nicht vor Selbstvertrauen strotzten. Bis zum Pausentee gefiel mir Bochum besser als in Wiesbaden, es stand aber nicht 0-1, sondern nur 0-0, dafür hatte die SGD Vorteile bei Ecken und dem Ballbesitz. Aber ich hatte nicht so ein schlechtes Gefühl, dafür schien Dresden zu schwach zu sein. Selbst WW und H96 wirkten spielerisch reifer als Kauczinskis Dynamos. Das war zu wenig, um die leicht besseren Bochumer zu besiegen, es sei denn, irgendein Dresdener Spieler traf aus dem Nichts. Aber da hatte Reis seinem Spiel heute Entschlossenheit implantiert.

Dann kam der VfL nach dem Seitenwechsel besser ins Spiel und begann die Gastgeber vor ihrem geliebten K-Block die Grenzen aufzuzeigen, 2-3 Chancen hatte Dresden vor allem vor der Pause. In der 60 Minute schien Bochum leichte Vorteile zu haben, auch wenn wir mit Wintzheimer und Zoller zu torungefährlich in der Box spielten. Aber dann kam der Silvere und kriegten den Ball nach 2 Minuten, hatte etwas Platz, machte eine Körpertäuschung und macht das 0-1 per Flachschuss. Der Torjubel war ganz geil, auch über dem großen VfL-Banner, aber das 1-1 war ein fixer Dämpfer und fiel in der Phase aus dem Nichts. Da muss man mehr draus machen. Da muss man dann weiter konzentriert verteidigen und kontern. Doch das ist natürlich bei diesem Druck auch brutal schwer. Und das Publikum war nun da und feuerte ihr Team an.
Das hätte nun schief gehen können, Dresden konnte diese Phase des Ballbesitzes aber zu wenig in echten Druck ausbauen. Es wurde ruhiger und die Ränge leiser, weil die Bochumer den Spielverderber mimten, vor allem Riemann, der Spaß hatte das Heimpublikum zu nerven. Mit seinen Abstößen nervte er eher mich. Aber die Dynamos konnte heute nicht mehr als sich bemühen, so reicht es nicht für den Klassenerhalt, sorry.

Bochum schien das Spiel mit dem 1-1 verwalten zu wollen und spielte sich auch noch in der 93. Minute den Ball zu, um ihn zu haben. Dann passte Soares auf Blum und der setzte Janelts Stirn ein und machte mich froh und sicher nicht nur mich. Was für ein süßes schönes Gefühl, der Krampf nach vorne vergessen und am Ende gejubelt und gesungen - so einfach ist es.

Gruß an den Berliner Fan und nun wünsch ich mir gegen Sandhausen auch einen knappen Heimsieg, es soll ja die Zeit kommen, wo das Wünschen wieder hilft.

Tom,CB`93